Die letzte Augustwoche veränderte die Erwartungen an den Devisen-, Öl- und Kryptomarkt deutlich. Zunächst verkauften Anleger den US-Dollar aktiv und kauften alternative Assets, in der Hoffnung, dass die US-Notenbank (Fed) ihren Zinserhöhungszyklus beenden könnte. Bis Freitag kehrte sich die Lage jedoch um: Die US-Inflation erwies sich als widerstandsfähiger als erwartet, und Fed-Chef Kevin Warsh machte deutlich, dass der Kampf gegen die Preissteigerung noch nicht abgeschlossen ist.
Warsh stärkte den Dollar wieder
Am Mittwoch stieg der amerikanische PCE-Index, den die Fed als wichtigsten Inflationsmaßstab nutzt, im Juli um 0,2 %, während die Jahresrate bei 3,7 % verharrte – statt der erwarteten 3,6 %. Der Kern-PCE lag bei 3,3 %. Sowohl die offiziellen Daten des Bureau of Economic Analysis (BEA) als auch die Veröffentlichung von Reuters stimmen überein: Die Inflation bleibt deutlich über dem Fed-Ziel von 2 %.
Entscheidend war jedoch Warsh’ Rede in Jackson Hole. Er betonte, dass die Fed erst dann sicher sein müsse, dass die Inflation dauerhaft auf 2 % sinkt – andernfalls bleibe weitere Arbeit notwendig. Der offizielle Redetext bestätigt, dass der Vorsitzende den Arbeitsmarkt nahe der Vollbeschäftigung sieht und die Preisentwicklung als zentrales Problem betrachtet.
Der Markt interpretierte die Rede als strikt hawkisch. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die Fed im September stieg von 35,4 % auf 55,7 %. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen (Treasuries) kletterte auf 4,36 %, und der US-Dollar-Index (DXY) stieg am Freitag um 0,6 % auf 99,71. EUR/USD fiel auf rund 1,1580, USD/JPY überstieg 160.
Barclays passte seinen Ausblick nach der Rede an und prognostiziert nun zwei Zinserhöhungen um je 25 Basispunkte – im September und Dezember. Auch Wells Fargo geht davon aus, dass bei Fortbestand der aktuellen Inflationstrends bereits jetzt mindestens eine weitere Erhöhung gerechtfertigt wäre.
Die langfristige Perspektive für den Dollar ist jedoch weniger eindeutig. Citi behält seine Short-Position gegenüber der US-Währung bei und argumentiert, dass Versuche des US-Finanzministeriums, die Renditen langlaufender Staatsanleihen künstlich zu drücken, mittelfristig Druck vom Treasury-Markt auf den Dollar selbst verlagern könnten.
Öl fiel zunächst auf Hoffnungen zum Hormuz – dann stieg es wieder
In der vergangenen Woche verlor Brent mehr als 5 % und schloss am Freitag bei 89,31 USD pro Barrel, WTI bei 83,40 USD. Der Rückgang war auf steigende Öllieferungen aus dem Persischen Golf sowie Hoffnungen auf eine Vereinbarung zurückzuführen, die die Schifffahrt durch die Straße von Hormuz wieder ermöglichen würde.
Doch bereits am Wochenende änderte sich das Szenario erneut: Die USA führten Luftangriffe auf iranische Einrichtungen auf der Insel Larak durch; Iran antwortete mit Angriffen auf US-Stützpunkte, und der Schiffsverkehr durch Hormuz brach erneut ein. Am Montag stieg Brent-Öl um 2,5 % auf 90,31 USD, WTI auf 85,23 USD.
DBS hält aktuell einen Brent-Kurs im Bereich 85–95 USD für am wahrscheinlichsten – solange keine Klarheit über die Wiedereröffnung der Straße von Hormuz besteht. Jeder neue Vorfall militärischer Eskalation erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass eine vollständige Öffnung des Korridors weiter verschoben wird.
Für den Devisenmarkt ist Öl besonders über die Inflation relevant: Eine nachhaltige Annäherung von Brent an 95–100 USD würde die Argumente der Fed für hohe Zinsen stärken und den Dollar unterstützen.
Rubel schwächte sich deutlich ab
Der russische Rubel bewegte sich in entgegengesetzter Richtung. Der offizielle Wechselkurs des US-Dollars der russischen Zentralbank stieg bis zum 29. August auf 85,60 Rubel – der Rubel verlor damit etwa 3,2 % innerhalb einer Woche.
Der Grund liegt nicht nur am Devisenmarkt. Die russische Benzin-Krise verschärfte sich erneut nach der vorübergehenden Abschaltung mehrerer großer Raffinerien. Laut Reuters sank die Benzinerzeugung Ende August auf rund 80.000 Tonnen pro Tag, während die Nachfrage bei ca. 115.000 Tonnen lag – die heimische Produktion deckt somit nur etwa 70 % des Bedarfs. Russland erhöht daher den Kraftstoffimport aus Belarus und asiatischen Ländern.
Dies führt für den Rubel zu einer zwiespältigen Situation: Hohe Weltölpreise stützen die Exporteinnahmen, doch steigende Kraftstoff- und Ausrüstungsimporte erhöhen die Nachfrage nach Fremdwährung. Gleichzeitig treiben höhere Benzinpreise die Inflation im Inland und erschweren eine rasche Senkung der Leitzinsrate.
Alexander Isakov, Chefökonom der Sberbank, erwartet einen Kurs von 86–88 Rubel pro Dollar bis Ende 2026 sowie eine Senkung der Leitzinsrate von derzeit 14 % auf etwa 13,5 %. Allerdings bleibt die hohe Unsicherheit rund um die Ölraffination ein zentraler Risikofaktor dieses Ausblicks.
Bitcoin fiel von 81.000 USD wieder auf 77.000 USD
Zu Beginn der vergangenen Woche war Bitcoin einer der größten Profiteure des schwachen Dollars. Am 25. August überstieg BTC die Marke von 80.000 USD und erreichte 81.238 USD; der Augustanstieg belief sich zu diesem Zeitpunkt auf rund 28 %. Anleger führten das Rally auf