Nach dem unerwartet schwachen US-Arbeitsmarktbericht haben die Märkte ihre Erwartungen an eine Zinserhöhung durch die US-Notenbank (Fed) deutlich zurückgenommen. Doch diese Bewegung konnte sich bislang nicht festigen: Öl bleibt teuer aufgrund der Unsicherheit rund um die Straße von Hormus – damit bleiben die Inflationsrisiken bestehen. Der nächste entscheidende Termin ist der US-Verbraucherpreisindex (CPI) am 12. August.
Schwacher Arbeitsmarkt dämpft Zinserhöhungs-Erwartungen
Der Arbeitsmarktbericht für Juli fiel deutlich schwächer aus als erwartet. Die Zahl der außerlandwirtschaftlichen Beschäftigten ging um 23.000 zurück, während die Daten für Mai und Juni insgesamt um 103.000 nach unten korrigiert wurden. Die Arbeitslosenquote lag bei 4,1 %. Besonders bemerkenswert ist, dass der durchschnittliche monatliche Beschäftigungszuwachs der letzten zwölf Monate lediglich 34.000 betrug – der US-Arbeitsmarkt hat spürbar an Dynamik verloren.
Die Reaktion am Zinsmarkt war prompt: Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die Fed im September fiel auf rund 44 % – verglichen mit 67 % eine Woche zuvor. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank auf etwa 4,64 %. Dies belastete sofort den US-Dollar. Am Montagmorgen notierte der Dollarindex bei rund 99,7 und blieb nahe seinem Zwei-Monats-Tief. EUR/USD handelte bei 1,1551, GBP/USD bei 1,3486. Der Yen hingegen schwächte sich erneut ab: USD/JPY stieg auf 158,30.
Der Dollar benötigt nun eine neue Grundlage für ein Aufwärtspotenzial – und diese könnte die Inflation liefern.

CPI ist der wichtigste Markttest der Woche
Der US-Verbraucherpreisindex (CPI) für Juli wird am 12. August um 15:30 Uhr MESZ veröffentlicht. Der offizielle Kalender des Bureau of Labor Statistics (BLS) bestätigt die Veröffentlichung um 8:30 Uhr ET. Der Konsens prognostiziert einen monatlichen Anstieg des Kern-CPI um rund 0,2 % und eine Verlangsamung der Jahresrate auf 2,5 %.
Für die Märkte zählt nicht mehr allein die Inflation selbst, sondern die Antwort auf die Frage: Führt die Nachfrageabschwächung am Arbeitsmarkt tatsächlich zu einem nachhaltigen Rückgang des Preisdrucks?
Analysten sehen die US-Inflation als den entscheidenden Faktor, der das Marktgeschehen in dieser Woche prägen wird. Rodrigo Catril, Strateg bei NAB, geht davon aus, dass die Fed vorerst eher beobachten als rasch handeln wird.
Eine schwache CPI-Veröffentlichung würde die Kombination aus verlangsamter Beschäftigungsentwicklung und Entspannung der Inflation bestätigen. Das wäre ein negativer Szenario für den Dollar und für Anleiherenditen – aber positiv für Gold und Kryptowährungen. Hohe Inflationsdaten könnten dagegen die Zinsdiskussion rasch wieder in den Mittelpunkt rücken. Und hier kommt der zweite entscheidende Faktor ins Spiel: Öl.
Öl bleibt Geisel der Hormus-Krise
Am frühen Morgen stieg Brent kurzfristig auf rund 85 USD, verlor diesen Gewinn jedoch weitgehend wieder. Um 06:43 Uhr GMT notierte Brent bei 83,54 USD pro Barrel, WTI bei 78,03 USD. In der Vorwoche verloren beide Sorten über 7 %, da Hoffnungen auf eine baldige Öffnung der Straße von Hormus wuchsen.

Der Optimismus hat sich mittlerweile verflüchtigt. Der Iran berichtete, dass das Abkommen mit Oman über neue Transportrouten sich in der Endphase befindet – gleichzeitig betonte er jedoch, dass eine vollständige Öffnung der Straße von Hormus von der Erfüllung zusätzlicher Forderungen durch die USA abhänge. Auch die unmittelbare Bedrohung für Lieferungen bleibt bestehen: Die Huthi-Miliz meldete einen Angriff auf eine Raffinerie von Saudi Aramco in Dschizan; ADNOC berichtete von 15 Angriffen auf eigene Schiffe seit Beginn des Konflikts. Damit befindet sich der Ölmarkt zwischen zwei gegensätzlichen Szenarien:
- Eine tatsächliche Wiederherstellung freier Schifffahrt könnte die geopolitische Risikoprämie rasch eliminieren.
- Ein Scheitern der Verhandlungen oder neue Angriffe würden sie sofort zurückbringen.
Die Prognosen großer Banken spiegeln diese Unsicherheit wider. Citi hob seine Prognose für den durchschnittlichen Brent-Preis im dritten Quartal von 75 USD auf 80 USD an, erwartet aber weiterhin einen Rückgang auf rund 70 USD im vierten Quartal – unter der Annahme einer Konfliktlösung. Goldman Sachs sieht den Bereich 80–90 USD als wahrscheinlichsten, solange kein klares Abkommen mit dem Iran vorliegt oder es zu einer ernsthaften Eskalation kommt.
Für die Fed ist dies entscheidend: Ein Rückgang der Ölpreise erleichtert den Kampf gegen die Inflation; ein neuer Preisschub könnte Teile des entlastenden Effekts einer schwachen Beschäftigungsentwicklung wieder zunichtemachen.
Gold behauptet sich oberhalb von 4.300 USD
Gold zählte zu den Hauptprofiteuren der Freitagstatistik. Nach Erreichen eines Sieben-Wochen-Hochs am Montag setzte eine leichte Gewinnmitnahme ein: Der Spotpreis sank um 0,3 % auf 4.330,46 USD pro Unze, die US-Futures um 0,2 % auf 4.390,60 USD.
Die wichtigste Stütze für das Edelmetall ist die gesunkene Erwartung einer Zinserhöhung und niedrigerer Anleiherenditen. Zusätzliche Nachfrage entsteht durch die