Die Finanzmärkte nähern sich der Veröffentlichung der US-Verbraucherpreisdaten für Juli in einem seltenen Gleichgewicht zwischen zwei entgegengesetzten Kräften. Ein schwacher Arbeitsmarkt erfordert eine vorsichtigere Geldpolitik der Federal Reserve, doch der Anstieg der Ölpreise verstärkt erneut die Inflationsrisiken. Gerade davon, welcher Faktor stärker ins Gewicht fällt, hängt aktuell die Richtung des US-Dollars, des Goldes und der Kryptowährungen ab.
Am Morgen des 12. August notierte der Dollarindex bei rund 99,89 Punkten, EUR/USD bei etwa 1,1534 und USD/JPY stieg auf 159,44. Der Devisenmarkt ist praktisch zum Stillstand gekommen vor der Veröffentlichung des CPI: Die Futures-Märkte bewerten die Wahrscheinlichkeit einer Beibehaltung der Zinsen durch die Fed sowie einer Erhöhung um 25 Basispunkte im September derzeit als nahezu gleich.
Der Reuters-Konsens prognostiziert für Juli einen monatlichen Anstieg der Verbraucherpreise um 0,1 % und eine Verlangsamung der Jahresinflation von 3,5 % auf 3,4 %. Der Kernindex (ohne Lebensmittel und Energie) wird auf +0,2 % m/m geschätzt. Die heutige Statistik spiegelt jedoch noch nicht vollständig den jüngsten Sprung der Energiepreise wider – daher ist für die Fed nicht nur der aktuelle CPI entscheidend, sondern auch die Aussichten für die kommenden Monate.
Analysten der ING gehen davon aus, dass die Inflation bis Jahresende allmählich weiter sinken könnte – allerdings nur unter zwei Voraussetzungen: einer Stabilisierung der Ölpreise und einer Wiederherstellung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus. DBS warnt dagegen: Sollte der CPI schwächer ausfallen als erwartet, könnten Investoren beginnen, ihre Long-Positionen im Dollar gegenüber Euro, Yen und einigen anderen Währungen abzubauen.
Damit könnte ein schwacher CPI nach dem enttäuschenden Beschäftigungsbericht die Erwartungen an die Fed deutlich verändern: Die Renditen von Staatsanleihen könnten fallen, und der Dollar könnte weiter nachgeben. Eine höhere Inflation würde hingegen das Szenario einer Zinserhöhung im September wieder in den Fokus rücken.
Öl nähert sich erneut der Marke von 90 USD
Das größte Hindernis für eine rasche Senkung der Inflation ist der Energiemarkt. Die Notierungen von Brent stiegen am Morgen auf 89,66 USD pro Barrel, WTI auf 83,92 USD. Brent verteuert sich bereits seit sechs Handelssitzungen in Folge; allein am Montag legte das Öl um rund 5 % zu. Ursache dafür sind die verschlechterten Aussichten für ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran sowie neue Angriffe auf die Schifffahrt in der Straße von Hormus und im Bab-el-Mandeb. Am Dienstag passierten lediglich acht Schiffe die Straße von Hormus – verglichen mit rund 125–140 Schiffen pro Tag vor Beginn des Konflikts. Der Iran erklärt, die Straße bleibe ohne Zugeständnisse Washingtons geschlossen.

Gleichzeitig verschärft sich auch die fundamentale Lage. Die EIA schätzt, dass im Juli infolge des Konflikts etwa 5,5 Millionen Barrel pro Tag aus der Nahost-Produktion ausgefallen sind. Die Agentur hob ihren Prognosewert für den durchschnittlichen Brent-Preis im Jahr 2026 auf 86,81 USD an, den für WTI auf 80,88 USD.
Ein Faktor könnte den Preisanstieg jedoch vorübergehend bremsen: Laut API stiegen die US-Ölvorräte unerwartet um rund 9,1 Millionen Barrel. Falls die offizielle EIA-Statistik diesen starken Anstieg bestätigt, könnten Teile der Engpass-Befürchtungen nachlassen.
Für die übrigen Märkte spielt Öl derzeit vor allem über die Inflation eine Rolle: Ein Brent-Preis über 90 USD würde die Erwartungen an eine restriktivere Fed verstärken, während eine nachhaltige Rückkehr in den Bereich um 80 USD die Aussichten auf Zinssenkungen begünstigen würde.
Gold testet erneut die Marke von 4.400 USD
Vor dem Hintergrund der geopolitischen Spannungen legte Gold am Morgen um rund 0,8 % zu und notierte bei etwa 4.400 USD je Unze. Der Edelmetallpreis profitiert von zwei Faktoren zugleich: der Nachfrage nach sicherheitsorientierten Anlagen und der Erwartung, dass eine Schwäche am Arbeitsmarkt der Fed einen zu aggressiven Zinserhöhungszyklus unmöglich machen wird.

Das Problem für Gold liegt darin, dass dieselben geopolitischen Risiken auch die Ölpreise treiben. Sollte teure Energie die Inflation verankern, könnten die Renditen der US-Staatsanleihen erneut steigen – was die Opportunitätskosten des Goldbesitzes erhöht. Daher bleiben die Bankprognosen zwar grundsätzlich positiv, werden aber vorsichtiger: Die Bank of America senkte ihre durchschnittliche Goldprognose für 2026 auf 4.360 USD – mit Verweis auf eine restriktivere Fed – hält aber das Niveau von 5.000 USD nach Abschluss des Straffungszyklus für erreichbar. JPMorgan orientiert sich in seiner jüngsten Juli-Abschätzung etwa an 4.500 USD im vierten Quartal und behält langfristig eine positive Perspektive wegen der Nachfrage durch Zentralbanken und institutionelle Investoren bei.
Für Gold ist der heutige CPI daher besonders bedeutungsvoll. Schwache Daten könnten die Kurse zu den jüngsten Höchstständen zurückführen, während eine unerwartet hohe Inflation über steigende Renditen und einen stärkeren Dollar zu einer Korrektur führen könnte.