Kryptowährungen und Blockchain sind längst keine Neuheit mehr. Doch die fortschrittlichsten Nutzer digitaler Assets nutzen mittlerweile auch den Begriff „Smart Contract“. Heute erklären wir ausführlich, was es damit auf sich hat – und warum diese Verträge als „intelligent“ bezeichnet werden.


Was ist ein Smart Contract?
Der Begriff Smart Contract (zu Deutsch: „intelligenter Vertrag“) bezeichnet ein spezielles Computerprogramm, das in die Blockchain eingetragen wird. Das Programm enthält vordefinierte Bedingungen und führt sich automatisch aus, sobald alle diese Bedingungen erfüllt sind.
Wer hat Smart Contracts erfunden?
Die Idee intelligenter Verträge entstand bereits in den 1990er-Jahren. Eine präzise Beschreibung lieferte 1994 Nick Szabo – eine Legende der Kryptowelt, der von manchen Krypto-Enthusiasten sogar mit Satoshi Nakamoto identifiziert wird. Damals fehlten jedoch die technischen Voraussetzungen für eine praktische Umsetzung.
Mit der Einführung der Blockchain-Technologie im Jahr 2008 erhielten Smart Contracts neue Impulse. Einige ihrer Grundelemente wurden bereits im Bitcoin-Netzwerk umgesetzt – allerdings nur in stark eingeschränkter Form aus Sicherheitsgründen.
Erst mit der Gründung des Ethereum-Netzwerks entfalteten Smart Contracts ihr volles Potenzial. Der Gründer Vitalik Buterin erkannte früh deren enorme Möglichkeiten für dezentrale Anwendungen.
Wie funktioniert ein Smart Contract?
Um das Funktionsprinzip zu verstehen, betrachten wir ein einfaches Beispiel:
Sie kaufen online ein Produkt. Nach Erhalt stellen Sie fest, dass die Qualität nicht den Angaben entspricht. Die Rückgabe und Rückerstattung gestaltet sich oft langwierig und mühsam.
Anders sieht es aus, wenn Sie den Kaufbetrag nicht direkt an den Verkäufer, sondern an einen neutralen Vermittler überweisen – und dieser erst dann an den Verkäufer weiterleitet, nachdem Sie die Ware erhalten und ihre Qualität bestätigt haben.
Genau diese Rolle übernimmt die Blockchain – und der Smart Contract überwacht die Einhaltung der vereinbarten Bedingungen.
Wie bereits erwähnt, ist der Smart Contract unveränderlich in der Blockchain gespeichert. Das bedeutet: Änderungen oder Korrekturen sind unmöglich. Sie erhalten die Ware nur, wenn Sie den vereinbarten Betrag bezahlen – und der Verkäufer erhält sein Geld nur, sobald Sie die Ware bestätigt haben. Abweichungen vom vereinbarten Ablauf sind ausgeschlossen: Der Vertrag wird schlicht nicht ausgeführt.
Die drei zentralen Komponenten eines Smart Contracts
In der Welt der „intelligenten Verträge“ lassen sich drei Schlüsselelemente klar unterscheiden:
- Vertragsparteien: Es können zwei oder mehr Parteien sein. Jede Partei bestätigt ihre Beteiligung durch eine digitale Signatur im Vertrag.
- Gegenstand des Vertrags: Dies kann beispielsweise eine Kryptowährung oder ein anderer digitaler Asset sein, auf den der Vertrag autonom zugreifen kann – ohne menschliches Zutun.
- Vertragsbedingungen: Ein klar definierter, mathematisch präziser Algorithmus, der die Ausführung des Smart Contracts steuert.
Wo werden Smart Contracts eingesetzt?

Der Anwendungsbereich von Smart Contracts ist breit gefächert. Die US-amerikanische Digital Commerce Chamber (CDC) nennt in ihrer sogenannten „White Paper“ zwölf häufigste Einsatzfelder:
- Festlegung des Grades an Datenschutz für persönliche Daten, digitale Assets und andere Informationen sowie deren Kontrolle.
- Digitalisierung und Automatisierung des Uniform Commercial Code (UCC) einschließlich automatischer Aktualisierung.
- Ausschluss von Intermediären bei Wertpapiertransaktionen und Dividendenausschüttungen.
- Internationale Zahlungsabwicklung.
- Überwachung der Konformität von Waren mit geltenden Standards und Zertifizierungen – inklusive automatischer Sanktionen bei Qualitätsmängeln.
- Führung finanzieller Berichte und Aufzeichnung finanzieller Daten.
- Automatisierung von Hypothekenratenzahlungen.
- Abwicklung von Eigentumsübertragungen.
- Echtzeit-Tracking von Lieferprozessen.
- Kfz-Versicherung und Dokumentation von Unfallverläufen.
- Austausch von Patientendaten zwischen medizinischen Einrichtungen.
- Verbreitung von Krebsdiagnoseinformationen unter strikter Wahrung der Vertraulichkeit.
Wo werden Smart Contracts abgeschlossen?
Smart Contracts können in verschiedenen Blockchain-basierten Systemen genutzt werden. Dazu gehören:
- Bitcoin: Wie bereits erwähnt, sind hier Smart Contracts nur in stark reduzierter Form realisiert.
- Side Chains: Eine Bitcoin-ähnliche Netzwerkarchitektur mit erweiterten Möglichkeiten für intelligente Verträge.
- NXT: Eine Open-Source-Plattform mit vordefinierten Smart-Contract-Vorlagen. Individuelle Verträge außerhalb dieser Vorlagen sind nicht möglich.
- Ethereum: Zurzeit die einzige Plattform mit vollständiger Flexibilität für Smart Contracts. Für eine kleine Gebühr in Ether kann jeder Nutzer einen maßgeschneiderten Vertrag erstellen.
Wesentliche Unterschiede zwischen Smart Contracts und herkömmlichen Verträgen
Smart Contracts bieten klare Vorteile gegenüber traditionellen Verträgen. Die wichtigsten davon haben wir hier zusammengefasst.
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