ForTraders.org 25/05: In Bezug auf den griechischen Zahlungsausfall bereitet sich Deutschland auf das schlechteste Szenario vor, nämlich die Situation, wenn die Verhandlungen mit der griechischen Regierung zu keinem Ergebnis führen.

Der deutsche Finanzminister, Wolfgang Schäuble, und Chef des IFO, Hans-Werner Zinn, haben ihre Meinung zu den weiteren Perspektiven dieses Themas geäußert.
Der deutsche Finanzminister, Wolfgang Schäuble
In einer Situation, in der Griechenland nicht zu einem Kompromiss mit seinen Gläubigern kommen wird, könnte in diesem Land eine parallele Währung neben dem Euro auftreten. Als Beispiel nannte Wolfgang Schäuble Montenegro, wo der Euro verwendet wird, ohne dass das Land Teil des Euro-Raums ist.
Ein ähnlicher Lösungsansatz wurde in einem Dokument von Goldman Sachs vorgeschlagen. Damals könnten die Drachme oder Schuldverschreibungen gemeinsam mit dem Euro verwendet werden, um die inneren Ausgaben des Landes zu decken.
Chef des IFO, Hans-Werner Zinn
Laut dem Wirtschaftsexperten und Leiter des großen wissenschaftlichen Forschungsinstituts in Deutschland sollte Griechenland das Recht auf einen vorübergehenden Austritt aus dem Euro-Raum erhalten.
Laut seiner Aussage ist Griechenland derzeit ein zahlungsunfähiges Land und es werden nur Versuche unternommen, das Datum des Zahlungsausfalls zu verschieben, nicht jedoch, das Problem zu lösen.
Als Ausweg aus der Situation sieht Zinn die Schaffung flexiblerer Bedingungen für die Teilnahme am Euro-Raum. Zum Beispiel sollten Ländern erlaubt werden, den Währungsverband vorüberweise zu verlassen und nach einer Devalvierung der nationalen Währung wieder zurückzukehren.
Analysten glauben, dass solche Äußerungen von hohen Beamten und Wirtschaftswissenschaftlern die harte Haltung Deutschlands unterstreichen und seine Bereitschaft zum schlimmsten Szenario zeigen, was Druck auf Griechenland ausübt, um dessen Position in den Verhandlungen über den Staatsschulden zu mildern.