ForTraders.org: Die Verhandlungen zwischen den Gläubigern und Griechenland sind erneut ins Stocken geraten. Nach einem gewissen Optimismus kehrt auf die Märkte Unsicherheit zurück. Gleichzeitig achten viele Experten auf Kommentare der Federal Reserve Chair Janet Yellen nach dem Treffen des Regulators, die besagen, dass bei einem fehlenden positiven Ergebnis der griechischen Schuldenfrage sich die Perspektiven der europäischen Wirtschaft stark verschlechtern würden und die Instabilität der Finanzmärkte einen erheblichen negativen Einfluss auf die US-Wirtschaft haben würde.
Kann man Janets Yellens Aussage als Zeichen dafür interpretieren, dass bei einem griechischen Zahlungsausfall die Federal Reserve keinen Grund hat, 2015 die Zinsen zu erhöhen, und dass der Ausstieg Griechenlands aus dem Eurozone dem Dollar mehr Schaden zufügen würde als der europäischen Währung?

Märkte unterschätzen die Ernsthaftigkeit der Krise in Griechenland
Alexander Kupcikewicz, Analyst von FxPro: Laut der ersten Reaktion der Märkte ist es tatsächlich so. Dennoch sollte man nicht die negative Auswirkung auf Griechenland unterschätzen, die unvermeidlich sein wird, falls das Land die Eurozone verlässt.
Schon jetzt haben wir Berichte über Geschäftsmoral (Ifo) und Verbraucherstimmung (GfK) im Euroraum, aus denen hervorgeht, dass Sorgen um Griechenland ein neues Niveau erreicht haben und nicht mehr nur Politiker betreffen, sondern auch breitere Schichten. Banken sind vorsichtig mit der Vergabe neuer Kredite, obwohl die EZB Quantitative Easing anbietet, aus Angst, dass Liquidität plötzlich benötigt werden könnte, falls Probleme im griechischen Finanzsystem auftreten. Verbraucher in Deutschland berichten zwar von steigenden Einkommen und höherer Beschäftigung, schauen aber äußerst vorsichtig auf die wirtschaftlichen Perspektiven der nächsten Monate und geben an, dass sie in ihren Ausgaben viel vorsichtiger sein werden.
Wie im Fall der weltweiten Finanzkrise bewerten die Märkte die Chancen zu optimistisch, da sie nicht die gesamte Komplexität der finanziellen Systeme kennen. Ähnlich wie damals wurde über die Lokalität der Finanzkrise gesprochen. Heute wird gesagt, dass Griechenland zu klein sei.
Probleme Europas wirken sich auf den Dollar aus
Die Probleme für den Euro werden selbst bei Abschluss eines Abkommens nicht gelöst werden. Denn noch vor uns liegt eine lange Umsetzungsphase. Daher glaube ich, dass die Perspektiven für den Euro zwischen mangelhaft und katastrophal liegen.
Der Dollar könnte unter Druck geraten, wenn sich die Zinserhöhung weiter hinauszögert, aber dafür müsste man schwache Daten auf dem Arbeitsmarkt, bei den Verbraucherausgaben und der Inflation sehen. Dies wäre jedoch ein allgemeines Schwächezeichen für den Dollar, nicht notwendigerweise auf den Euro beschränkt.
Über die Auswirkungen der europäischen Wirtschaft auf die US-Wirtschaft ist schwer zu sprechen. Oft ist es so, dass Trends von den USA auf Europa mit einer Verzögerung von 2-3 Quartalen übertragen werden.