Häufig bemerkt ein Trader auf dem Kurschart eine Lücke, bei der der Schlusskurs der vorherigen Kerze deutlich und sichtbar vom Eröffnungskurs der nächsten Kerze abweicht. Hier steckt kein Geheimnis dahinter – dies ist eine häufige Marktphänomen und wird als Börsengap (englisch: gap) bezeichnet.




Wir besprechen, was ein Gap im Handel ist, wie es entsteht und ob es sich für profitable Handelsentscheidungen nutzen lässt.

Inhaltsverzeichnis
- Was ist ein Gap?
- Wie entsteht ein Gap?
- Welche Arten von Gaps gibt es am Forex-Markt?
- Wie handelt man mit Gaps?
- Dividenden-Gap am Aktienmarkt
- Handelsstrategie: Das wöchentliche Gap schließen
Was ist ein Gap – einfach erklärt
Ein Gap im Handel (englisch: gap) ist eine sogenannte „Lücke“ in den Kursen auf dem Handelschart, die entsteht, wenn sich die Preise sehr schnell und abrupt ändern.
Einfach ausgedrückt zeigt sich ein Gap im Handel am Forex- oder Aktienmarkt als starker „Sprung“ des Kurses in eine Richtung, wodurch zwischen dem Schlusskurs eines Zeitintervalls und dem Eröffnungskurs des nächsten Intervalls eine deutliche Lücke entsteht. Ein Gap ist nur im Chartmodus „Balken“ oder „Japanische Kerzen“ sichtbar.

Aus ökonomischer Sicht stellt ein Gap einen starken Übergewicht der Käufer oder Verkäufer dar: Es fehlen gegenüberliegende Order, sodass der Preis abrupt „einknickt“, um mögliche Ausführungsmöglichkeiten zu finden.
Entstehung eines Gaps
Am häufigsten tritt ein Gap im Handel nach Wochenenden auf: Nach dem regulären Handelsschluss am Freitag öffnet der Markt am Montag mit einem deutlich anderen Kurs für eine Währungspaar, Aktie, Kryptowährung usw. Optisch erscheint dies als „Preislücke“. Der Grund dafür liegt darin, dass die Börsen an Wochenenden geschlossen sind, während Banken, Wechselstuben und Unternehmen weiterhin aktiv bleiben und Devisen benötigen.
Zudem finden an Wochenenden oft wichtige wirtschaftliche Gipfeltreffen, Verhandlungen oder Reden bedeutender Politiker statt – ebenso wie Naturkatastrophen oder Krisen. Vor diesem Hintergrund platzieren Trader bereits im Voraus Kauf- oder Verkaufsorders. So öffnet der Markt nach dem Wochenende mit einem abrupten Kursanstieg oder -einbruch bei Währungen und anderen Vermögenswerten – dies wird als Gap bezeichnet.
Ein Gap kann aber nicht nur nach Wochenenden auftreten, sondern auch innerhalb einer Handelssession – etwa bei besonders wichtigen Nachrichten wie Arbeitsmarktdaten, BIP-Zahlen, Inflationsberichten oder der Verkündung einer Zinsentscheidung.
Innerhalb verschiedener Analyseansätze des Devisenmarktes herrscht die Auffassung, dass der Markt nach einer gewissen Zeit das Gap schließt, also zum Schlusskurs des vorherigen, „vor-Gap“-Zeitintervalls zurückkehrt.
Arten von Gaps
Trotz ihrer Häufigkeit im Handel treten Gaps am Forex-Markt pro Währungspaar durchschnittlich nur zwei bis vier Mal pro Jahr auf. Dennoch unterscheiden sie sich nach Typ – und dieser Typ bestimmt maßgeblich die geeignete Handelsstrategie. Wir betrachten einige wichtige Varianten:
- Einfaches Gap: Es entsteht meist nach Wochenenden infolge bedeutender, aber kurzfristiger Ereignisse. Es signalisiert weder eine Trendumkehr noch eine Trendverstärkung und schließt sich daher meist rasch.
- Ausbruchsgap (Breakaway Gap): Dieses Gap tritt auf, wenn ein Währungspaar oder eine Aktie lange Zeit in einer Seitwärtsbewegung verharrt und sich an den Randbereichen viele ausstehende Orders ansammeln. Sobald der Kurs diese Level erreicht, lösen sich die Orders kaskadenartig aus – die nächste Kerze öffnet mit einem Gap. Dies deutet auf eine bevorstehende Trendverstärkung hin; es empfiehlt sich, Positionen in Richtung des neuen Trends zu eröffnen.
- Ausbruchsgap (Breakout Gap): Ähnlich dem vorherigen, mit einer Ausnahme: Der Trend muss sich nicht fortsetzen – der durchbrochene Level gilt danach jedoch nicht mehr als starke Unterstützung oder Widerstand.
- Fortsetzungsgap (Continuation Gap): Wie der Name verrät, tritt dieses Gap als Verstärkung einer bestehenden Bewegung auf. Bullen oder Bären, je nach Richtung der Bewegung, sehen aufgrund einer Neuigkeit Chancen für eine weitere Trendverstärkung und kaufen bzw. verkaufen entsprechend aktiv.
- Abschlussgap (Exhaustion Gap): Genau das Gegenteil des Fortsetzungsgaps – es entsteht nach einer starken Nachricht, wenn klar wird, dass die aktuelle Bewegung keine weitere Dynamik mehr entwickeln kann. Trader realisieren ihre Gewinne rasch, wodurch das Gap entsteht.
- Offenes Gap (Unfilled Gap): Dies ist eine unangenehme Variante, da Trader normalerweise auf das Schließen des Gaps spekulieren. Ein solches Gap entsteht jedoch mit so starkem Impuls, dass das Schließen erst nach langer Zeit erfolgt. Als offenes Gap gilt es, wenn innerhalb von 15 vollständigen Handelskerzen kein Schließen erfolgt.
Nutzung von Gaps im Handel
Ein Gap im Handel stellt nicht nur die Folge einer starken Marktbewegung dar, sondern fungiert oft auch als Bestätigungssignal für diese. Beispielsweise deutet ein Eröffnungskurs am neuen Handelstag, der deutlich unter dem vorherigen Schlusskurs liegt