Jeder Anleger am russischen Aktienmarkt verfügt über einen bestimmten Status. Was bedeutet dieser Status, wie lässt er sich erlangen – und ist dies überhaupt notwendig?

Wer ist ein qualifizierter bzw. nicht qualifizierter Privatanleger?
Alle Privatanleger am russischen Kapitalmarkt sind in zwei Kategorien unterteilt:
Qualifizierte Anleger
Laut der Moskauer Börse zählen zu den qualifizierten Anlegern:
- professionelle Marktteilnehmer des Wertpapiermarktes sowie Clearingstellen;
- die Bank von Russland, VEB.RF, Kreditinstitute und die Agentur für die Sicherung von Einlagen (ASV);
- geschlossene Investmentfonds (AIF), Verwaltungsgesellschaften von Investmentfonds, offene Investmentfonds (OIF) und private Pensionsfonds (PPF);
- Versicherungsunternehmen;
- Finanzinstitutionen der Föderationssubjekte, die geschlossene Immobilien-Investmentfonds (ZPIF) erwerben, die zur Infrastruktur zur Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen gehören;
- Rosnano, Mikrofinanzorganisationen (MFO), darunter Weltbank, Internationaler Währungsfonds (IWF), Europäische Zentralbank (EZB), Europäische Investitionsbank (EIB) und Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD).
Nicht qualifizierte Anleger
Jeder Privatanleger, der am Kapitalmarkt investiert, gilt standardmäßig als nicht qualifizierter Anleger.
Was unterscheidet qualifizierte von nicht qualifizierten Anlegern?
Der Unterschied zwischen den beiden Anlegerkategorien liegt in der Zugänglichkeit bestimmter Finanzinstrumente.
Ein qualifizierter Anleger darf in sämtliche Finanzinstrumente des Kapitalmarktes investieren – auch in solche, die nicht an russischen Börsen (Moskauer Börse und St. Petersburger Börse) gehandelt werden – ohne jegliche Einschränkungen.
Für nicht qualifizierte Anleger sind hingegen nur solche Instrumente zugänglich, deren Anlage nach Auffassung der Aufsichtsbehörde als sicherer und weniger risikoreich eingestuft wird. In dieser Kategorie gelten Beschränkungen beim Einsatz von Hebeln (Margin-Handel), zudem ist die Anlage in strukturierte Schuldverschreibungen, Eurobonds, bestimmte ausländische und inländische Wertpapiere sowie geschlossene ETF-Fonds nicht gestattet.
Zum Kauf stehen nicht qualifizierten Privatanlegern Obligationen des Bundes (OFZ), sämtliche Aktien der ersten und zweiten Notierungsliste der Moskauer Börse sowie deren Anleihen sowie ausländische Aktien, die an der Moskauer und der St. Petersburger Börse gehandelt werden.
Ab dem 1. April 2022 tritt das „Gesetz zur Kategorisierung von Anlegern“ in Kraft, das die für nicht qualifizierte Anleger geltenden Beschränkungen ändert.
Wie wird man qualifizierter Anleger?
Den Status eines qualifizierten Anlegers verleiht einem natürlichen Personen unmittelbar der Wertpapierbroker. Um diesen Status zu erhalten, muss daher ein entsprechender Antrag beim Broker gestellt werden.
Eine Privatperson, die den Status eines qualifizierten Anlegers beantragt, muss mindestens eine der folgenden Voraussetzungen erfüllen:

Im Falle der Erfüllung einer oder mehrerer Voraussetzungen wird der Status innerhalb weniger Tage vom Broker verliehen. Dabei sind jedoch einige Besonderheiten zu beachten:
- Der Status eines qualifizierten Anlegers gilt ausschließlich für Konten bei demjenigen Broker, der ihn verliehen hat. Bei Eröffnung eines Kontos bei einem anderen Broker muss die Qualifikation erneut beantragt werden.
- Der Broker kann zusätzliche Anforderungen an den Antragsteller stellen, wodurch das Verfahren etwas komplexer wird.
Braucht ein durchschnittlicher Anleger den Status eines qualifizierten Anlegers?
Viele neu beginnende Anleger glauben, dass der fehlende Status ihre Anlagemöglichkeiten stark einschränkt. Doch erfolgreiche Anlagen hängen nicht von der Anzahl verfügbarer Instrumente oder der Möglichkeit ab, in exotische ETFs zu investieren – sondern vielmehr von der Auswahl eines sicheren und renditeträchtigen Instruments.
Tatsächlich stehen nicht qualifizierten Anlegern alle liquiden Instrumente der Moskauer Börse zur Verfügung – sowie 55 ausländische Aktien an der Moskauer Börse und insgesamt 1.300 an der St. Petersburger Börse.
Ob Sie also wirklich den Status eines qualifizierten Anlegers benötigen – der Ihnen keinen Zugang zu besonders exklusiven oder überragend rentablen Instrumenten verschafft –, sollte sorgfältig abgewogen werden. Für profitables Anlegen reicht der breite Instrumentenkatalog, der jedem nicht qualifizierten Anleger ohnehin zur Verfügung steht.
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