ForTraders.org: Die Anzahl der Finanzanalysten und Rohstoffmarktexperten, die einen erheblichen Anstieg der Ölpreise in der zweiten Hälfte des Jahres 2015 prognostizieren, nimmt stetig zu. Aufgrund der Reduzierung der Fördermenge und Investitionen in die US-Ölindustrie sowie des Wachstums der globalen Nachfrage erwarten Analysten, dass die Ölpreise aus dem aktuellen Preisspektrum herauskommen und bis Ende des Jahres zwischen 70 und 82 Dollar pro Barrel liegen werden.
Unter Berücksichtigung der Perspektiven des Rückgangs des iranischen Öls auf den Markt, der Möglichkeit eines Anstiegs der Fördermenge in Libyen und OPEC-Ländern sowie anderer grundlegender Faktoren, wie wahrscheinlich erscheint solch ein Prognose der Ölpreise?

Tägliche und monatliche Grafiken deuten auf einen Anstieg des Brent-Öls auf 82 Dollar pro Barrel hin
Anna Bodrova, Senior-Analystin bei Alpari: Technische Faktoren deuten tatsächlich darauf hin, dass das Barrel Brent im Herbst dieses Jahres das Widerstandsniveau von 70,0 durchbrechen und sich in Richtung von 82,0 bewegen wird. Zumindest zeigen die Formationsmuster auf täglichen und monatlichen Grafiken genau diese Entwicklung.
Doch die technische Komponente ist nur eine von vielen, die den Markt beeinflussen können. Die fundamentale Seite des Themas ist jedoch vorsichtiger. In diesen Tagen finden aktive Verhandlungen zwischen Iran und der “Sechs” statt, um Sanktionen abzubauen, im Austausch für die vollständige Einstellung der Urananreicherungsarbeiten.
Irans Öl kann das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Markt verändern
Teheran hat die erforderlichen Bedingungen erfüllt, doch die USA zögern mit der Zustimmung. Sobald die Parteien einen Konsens erreichen, kann Iran Öl exportieren. Das Land hat genug “schwarzes Gold” gesammelt, um Exportoperationen zu starten, aber es wird erst im Januar 2016 in vollem Umfang in den Export gehen können. Ein Anstieg des Angebots auf dem Markt wird die Preise unter Druck setzen. Derzeit übersteigt das Angebot die Nachfrage um etwa 1,5 Mal.
Eine zusätzliche Belastung für Rohstoffkurse könnte auch eine schwache amerikanische Statistik darstellen – nach einem erfolglosen ersten Quartal kann die US-Wirtschaft noch nicht auf einen festen Punkt finden, auf dem Markt wird über QE4 gesprochen. Bis zum Sommer bleibt das Barrel Brent im Bereich von 60 bis 68 Dollar. Danach werden andere Katalysatoren wirksam.