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Begriffe wie „Wildwest“ führen uns zu besonders faszinierenden Handelsansätzen: Scalping und Pip-Skalping. Ob es sich um synonyme oder distinkte Begriffe handelt, ist im Netz umstritten. Wir schaffen hier Klarheit.

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Scalping und Pip-Skalping
Beginnen wir mit der Begriffsklärung: Ursprünglich entstand der Begriff „Scalping“ („Skalpieren“), später folgte die Bezeichnung „Pip-Skalping“. Letztere beschreibt konkret das „Einfangen von Pips“ bzw. „Jagen nach Pips“.
Unter Pip-Skalping versteht man eine spezielle, eng gefasste Variante des Scalping. Scalping ist ein Handelsansatz, der auf verschiedenen Märkten – nicht nur am Forex-Markt – angewendet wird. Ziel ist es, kurzfristige Trades durchzuführen: mit Laufzeiten von bis zu 15 Minuten, bis zu 5 Minuten oder sogar unter einer Minute. Der Handel erfolgt dabei häufig anhand von Tick-Charts. Genau dieser Tick-basierte Handel mit Positionen unter einer Minute – maximal fünf Minuten – gilt als Pip-Skalping.
Nahezu alle Forex-Scalping-Strategien weisen einen negativen mathematischen Erwartungswert auf: Der erzielbare Gewinn beträgt meist nur wenige Pips, während der Stop-Loss bei 20 oder mehr Pips liegen kann – oder gar vollständig fehlt.
Ein weiterer verbreiteter Ansicht zufolge gehören Scalper zu den erfolgreichsten Tradern am Forex-Markt. Doch dazu später mehr.
Vorteile und Nachteile des Scalping
Erinnern wir uns an Jesse Livermore und sein Werk „Erinnerungen eines Börsenspekulanten“. Darin beschreibt er seine frühen Aktivitäten in Bucket Shops – eine Art historisches Scalping, bei dem er mittels Tickerband-Analyse kurzfristige Spekulationen auf Aktien durchführte. Dabei bewertete er Aktien anhand von Unter- oder Überbewertung und nutzte kurze Zeitfenster für Transaktionen. Mit dem Aufkommen des Internets und automatisierter Handelssysteme hat sich dieser Ansatz stark weiterentwickelt.
Zusammenfassend lassen sich Scalping und Pip-Skalping durch folgende Merkmale charakterisieren:
- Kurze Zeitrahmen (15 Minuten und kürzer);
- Nutzung volatiler Instrumente;
- Starke Nerven;
- Enge Stop-Loss-Marken.
Gegenüber klassischen „Buy-and-Hold“-Ansätzen bieten diese Methoden klare Vorteile:
- Hohes Gewinnpotenzial sowie schneller Kapitalsaufbau (mit kleinem Startkapital);
- Einfache Strategien (Marktprognosen sind meist unnötig);
- Unabhängigkeit von der aktuellen Marktphase;
- Flexibilität bei der Wahl der Handelszeitpunkte.
Doch auch Nachteile sind unvermeidbar:
- Extrem hohe psychische Belastung;
- Risikomanagement steht im Vordergrund – entscheidender als die eigentliche Handelsstrategie;
- Ständige Marktbeobachtung erforderlich;
- Handeln ohne feste Stop-Loss- oder Take-Profit-Orders;
- Spreads „fressen“ einen Großteil des Gewinns;
- Zusätzliche Broker-Beschränkungen, etwa feste Kommissionen statt oder zusätzlich zum Spread.
In diesem Artikel gehen wir detaillierter auf dieses Phänomen ein und beleuchten verschiedene Scalping-Varianten.
Arten des Scalping am Forex-Markt
Welche Scalping-Arten gibt es?
- Intuitives Scalping;
- Indikatorbasiertes Scalping;
- Arbitrage;
- Leitwert-Strategien;
- Chartbasiertes Scalping;
- Orderbuch-Trading (Market Depth).
Intuitives, indikatorbasiertes und chartbasiertes Scalping sind weitgehend selbsterklärend. Intuitives Scalping: Fast alle Neulinge am Forex-Markt beginnen mit Demokonten oder ihren ersten Live-Konten genau so – rein nach Gefühl und Erfahrung.
Indikatorbasiertes oder technisches Scalping stützt sich auf technische Indikatoren und Expert Advisors (EAs). Eine vertiefte Betrachtung erscheint hier nicht notwendig.
Unter Leitwert-Strategien versteht man den Handel mit stark korrelierten Assets – steigt beispielsweise Silber typischerweise parallel zu Gold. Darauf basieren zahlreiche Scalping-Strategien.
Arbitrage-Strategien zielen auf nahezu risikofreie Gewinne ab – allerdings mit moderater Rendite, etwa 20 bis 30 % p. a.
Chartbasiertes Scalping verdient besondere Aufmerksamkeit: Es ermöglicht den Aufbau wirkungsvoller, nachvollziehbarer Handelsansätze.
An traditionellen Börsen nutzen renommierte Trader fast ausschließlich das Orderbuch (Market Depth). Sie analysieren weder Indikatoren noch Charts – ihr Fokus liegt allein auf der Orderbuchtiefe.
Warum das Orderbuch von Forex-Brokern nicht verlässlich ist
Der Forex-Markt ist ein dezentraler Interbankenmarkt ohne zentrale Clearingstelle. Was ist eine zentrale Gegenpartei (Central Counterparty)? Das ist eine Börse, an der sämtliche Orders aller Broker gebündelt, gecleart und verrechnet werden. Am Forex-Markt existiert keine solche zentrale Instanz. Stattdessen agieren verschiedene Liquiditätsanbieter, ECN-Netzwerke, die jeweils ein eigenes Orderbuch (Market Depth / Level II) bereitstellen – doch dieses gilt ausschließlich für den jeweiligen Broker, Liquiditätsanbieter oder ECN-Anbieter.
Zum Abschluss: Am Forex-Markt stehen heute Orderbücher zur Verfügung, Indikatoren messen die Geschwindigkeit und das Zeitverhalten der Ticks, Expert Advisors generieren täglich tausende Trades. Dadurch verändert sich die Scalping-Praxis kontinuierlich. Die weiteren Schlussfolgerungen überlassen wir Ihnen. Wir wünschen Ihnen erfolgreiches Handel und hohe Gewinne!