Was wird mit dem Euro und dem Dollar passieren?
Dies ist wohl eine der häufigsten Fragen, die sich Händler, Investoren oder einfach nur Menschen stellen, die auf dem Laufenden über ihre Finanzen bleiben möchten. Viele können den Eindruck haben, dass das, was auf den Finanzmärkten passiert, ein unzusammenhängender Haufen von Ereignissen und Kursbewegungen ist. Doch dieser Eindruck entsteht nur, weil es an systematischem Wissen über den Markt und aktuellen Marktsituationen fehlt, sowie an Daten über alle Faktoren, die den Markt, die Vermögenswerte und die Marktlage beeinflussen können.
Der Euro hat die Bullen bereits acht Monate lang begeistert
Die Währungspaare EUR/USD (Euro/Dollar USA) befindet sich seit etwa acht Monaten in einem Aufwärtstrend nach einem langen Hoch und einer Seitwärtsbewegung. Dieses Szenario kann man durch die Erwartung erklären, dass die Quantitative Lockerung der EZB beendet wird. Mehrere Jahre lang führte die EZB eine umfangreiche Geldschöpfung durch, um Inflation und Wirtschaft zu steigern. Dabei beträgt die Hauptzinsrate des europäischen Regulators Null, und die Einlagenzinsen sind negativ.
Diese Maßnahmen führten dazu, dass der Euro in den letzten Jahren gegenüber dem US-Dollar um fast ein Drittel abgewertet ist.
Aber aktuell ist das negative Einfluss dieser Faktoren erschöpft, die Ziele der EZB wurden praktisch erreicht, und die Marktteilnehmer erwarten die Beendigung der Geldschöpfung und eine Zinserhöhung. Der Markt erwartete Erklärungen über Pläne zur Beendigung der europäischen QE von der Chef der Europäischen Zentralbank auf dem Symposium in Jackson Hole Ende August. Aber Mario Draghi, der aufgrund seiner Arbeitsbelastung entschied, den Besuch abzusagen, enttäuschte so die Erwartungen der Anleger.
Nicht zuletzt spielten auch Veröffentlichungen der Protokolle der EZB eine Rolle, in denen besorgte Reaktionen auf den Anstieg des Eurokurses geäußert wurden, was die Wirtschaft der Eurozone beeinträchtigen könnte. Diese Änderung der Pläne des EZB-Chefs und die verbale „anti-Euro-Intervention“ fanden ihren Niederschlag in der Kursentwicklung des Euros gegen seinen Hauptkonkurrenten, den US-Dollar – die Kurse gingen leicht zurück. Aber sollte dieses Rückgang ernst genommen werden? Nach unserer Ansicht sollte man dies als kleine technische Korrektur betrachten.
Auch die USA unterstützen den Aufwärtstrend des Euros
Zusätzlich zu den oben genannten Faktoren sollte man nicht die Situation mit dem US-Dollar vernachlässigen, der den aktuellen Zustand des Euros begünstigte. Das Hauptproblem bei der Schwäche des Dollars am Markt ist das politische Umfeld des Landes. Schwankende Erwartungen für ein Wachstum des US-BIP, das Erreichen des Zielinflationsniveaus, Unsicherheit über Pläne zur Zinserhöhung und nur Andeutungen auf eine baldige Erhöhung tragen nicht dazu bei, die Positionen des Dollars zu stärken.
All diese Faktoren zusammen bilden das Bild für einen weiteren Anstieg des Euros in den nächsten Monaten und bis zum Ende des Jahres, bedeutet aber nicht, dass der Kurs des EUR/USD-Paares in kurzer Zeit nicht fallen könnte.
Technik innerhalb eines abwärts gerichteten Korridors
Bei Betrachtung der technischen Lage des Paares ist festzustellen, dass das lokale Ende des Aufwärtsimpulses im Bereich der Juni 2010-Minima lag. Auch die Tatsache, dass die Kurse innerhalb eines langfristigen abwärts gerichteten Korridors verbleiben, trägt nicht viel positiv zur Hypothese eines Trendswechsels bei.

Bislang wird der aktuelle Aufwärtstrend als Korrektur des Abwärtstrends aus den Jahren 2014-2015 betrachtet.
Diese Korrektur wurde auf 38,2 % der Fibonacci-Skala ausgeführt. Als nächste Ziele könnten die Markierungen 1,2170 und 1,2590 dienen, die den 50 % und 61,8 % Fibonacci-Niveaus entsprechen.
Die Stabilität des aktuellen achtmonatigen Aufwärtstrends ist unbestritten, was man anhand des Kursverlaufs des EUR/USD-Paares erkennen kann. Investoren sollten sich erst dann Sorgen machen, wenn die Kurse unter 1,16 abgesunken sind, und selbst dann könnte die Region nahe der Marke 1,1390 eine starke bullische Unterstützung bieten.





