ForTraders.org: Der Rückgang der Ölpreise unterstützte das Wachstum des Verbrauchssektors, und das Quantitative Easing-Programm der EZB wurde zum Faktor, der die Geschäftstätigkeit in den Ländern der Eurozone unterstützte. Als Ergebnis zeigte die makroökonomische Statistik der Eurozone in den letzten zwei Monaten einen moderaten Optimismus.
Gleichzeitig warnen Experten von BNP Paribas vor der Gefahr des QE-Programms für die europäische Währung und ziehen eine Analogie zur Entwicklung des Dollars während des QE-Programms der US-Zentralbank.
Wie halten Sie es mit der Frage, ob tatsächlich ein Übergang der Funktionen der Finanzierungswährung vom Dollar auf den Euro im Rahmen spekulativer Strategien stattfindet und ob positive makroökonomische Statistiken aus der Eurozone zu Verkäufen des Euros führen?

Elisabeth Belugina, Analystin von FBS: Als Finanzierungswährung wird eine Währung mit niedrigen Zinssätzen verwendet. Die Finanzierungskosten in der Eurozone sind derzeit äußerst niedrig. Das liegt daran, dass die EZB versprochen hat, europäische Anleihen bis September 2016 zu kaufen, wodurch kommerziellen Banken günstige Liquidität bereitgestellt wird. Dieser Überschuss ermöglicht es ihnen, niedrigere Sätze für Privatpersonen und Unternehmen festzulegen. Im Gegensatz dazu verfolgt die US-Zentralbank einen Vektor der Verschärfung der Geldpolitik, was eine Erhöhung der Zinssätze voraussetzt.
Das größte Risiko für die Finanzierungswährung ist die Steigerung ihres Kurses, die das Vorteil, das den Schuldner durch niedrige Zinssätze bietet, zunichte machen könnte. In den letzten sechs Monaten hat sich der Dollar gegenüber den meisten Hauptwährungen gestärkt: Im Dezember überwand der Dollarindex die 30-jährige Trendlinie, und im März erreichte er eine Marke von 100 Punkten. Somit ist die Attraktivität des Dollars als Finanzierungswährung in jüngster Zeit gesunken.
Im Moment übernimmt der Euro tatsächlich die Funktionen der Finanzierungswährung. Zum Beispiel zeigen Daten der Financial Times, dass viele chinesische Unternehmen Gelder in Euro leihen: dieses Jahr haben sie bereits Kredite in Höhe von 2,9 Milliarden US-Dollar in Euro aufgenommen – ein beträchtlicher Betrag im Vergleich zu 3,3 Milliarden US-Dollar im gesamten Jahr 2014. Auch amerikanischen Unternehmen ist es vorteilhaft, Kapital im Ausland zu beschaffen. Somit ist der hohe Nachfrage nach Krediten in Euro ein ernsthafter Faktor, der langfristig zu einer Schwächung der gemeinsamen Währung führen wird.