Für eine fundierte Aktienauswahl ist eine sorgfältige Analyse der finanziellen Lage eines Unternehmens unerlässlich. Hier unterstützen Anleger verschiedene Kennzahlen – und einer der beliebtesten Multiplikatoren ist EV/EBITDA.
Im Folgenden erläutern wir, was dieser Kennwert aussagt und wie er zur Bewertung von Aktien genutzt werden kann.

Inhaltsverzeichnis
- EV/EBITDA einfach erklärt
- Wie wird EV/EBITDA berechnet?
- Vorteile des EV/EBITDA-Multiplikators
- Nachteile des Kennwerts
- Welchen Nutzen bietet EV/EBITDA für Anleger?
EV/EBITDA einfach erklärt
Diese Kennzahl hilft Anlegern einzuschätzen, ob sich ihre Kapitalanlage amortisieren wird. Zudem eignet sich EV/EBITDA besonders gut zum Vergleich verschiedener Unternehmen:
- mit unterschiedlichem Fremdkapitalanteil;
- mit unterschiedlichen Abschreibungshöhen.
Der Wert des Kennwerts variiert je nach Branche. In schnell wachsenden Sektoren liegt EV/EBITDA in der Regel höher. Ist der Wert eines Unternehmens deutlich niedriger als der Branchendurchschnitt, gilt die Aktie oft als unterbewertet.
Wie wird EV/EBITDA berechnet?
Der Multiplikator EV/EBITDA berechnet sich nach folgender Formel:
EV/EBITDA = Unternehmenswert (Enterprise Value, EV) / Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization)
Wie lässt sich dieser Wert konkret bestimmen? Wir verdeutlichen dies am Beispiel des Unternehmens Gazprom.
Zunächst berechnen wir den Unternehmenswert (EV). Dazu addieren wir die Marktkapitalisierung und die Nettoverschuldung des Unternehmens:
EV = Marktkapitalisierung + Nettoverschuldung
Laut Daten der Moskauer Börse betrug die Marktkapitalisierung von Gazprom Ende des ersten Quartals 2020 4.290.350.742.867 Rubel.

Die Nettoverschuldung berechnet sich wie folgt:
Nettoverschuldung = (kurzfristige + langfristige Kredite und Darlehen) – liquide Mittel und deren Äquivalente
Aus der Finanzberichterstattung von Gazprom für denselben Zeitraum entnehmen wir die erforderlichen Werte.

Die Nettoverschuldung von Gazprom beträgt: (665.285 + 3.847.252) – 772.924 = 3.739.613 Mio. Rubel.
Der Unternehmenswert ergibt sich somit zu: EV = 4.290.350,7 + 3.739.613 = 8.029.963,7 Mio. Rubel.
Nun berechnen wir den EBITDA-Wert, wiederum anhand der Finanzberichterstattung:
EBITDA = Reingewinn + Ertragsteuer + erstattete Ertragsteuer + außerordentliche Aufwendungen − außerordentliche Erträge + gezahlte Zinsen − erhaltene Zinsen + Abschreibungen auf Sachanlagen (in den Produktionspreis einbezogen) − Vermögensneubewertung, wobei:
- Reingewinn – Nettoergebnis;
- Ertragsteuer – Körperschaftsteuer;
- erstattete Ertragsteuer – steuerliche Erstattungen;
- außerordentliche Aufwendungen – nicht betriebsbedingte Ausgaben;
- außerordentliche Erträge – nicht betriebsbedingte Einnahmen;
- gezahlte Zinsen – Zinsaufwand;
- erhaltene Zinsen – Zinserträge;
- Abschreibungen auf Sachanlagen – planmäßige Abschreibungen im Produktionsprozess;
- Vermögensneubewertung – Wertanpassungen von Vermögensgegenständen.
Das Ergebnis lautet: EBITDA = 493,023 Mrd. Rubel.
Wir bringen beide Werte auf dieselbe Einheit (Milliarden Rubel) und berechnen den Multiplikator:
EV/EBITDA = 8.029,9637 / 493,023 = 16,2
Zum Vergleich: Im Jahr 2019 lag der jährliche EV/EBITDA-Wert bei 4,2. Da Gazprom im Vorjahr einen Reingewinn von 535,908 Mrd. Rubel erwirtschaftete, im ersten Quartal 2020 jedoch einen Verlust von 116,249 Mrd. Rubel verzeichnete, ist es nicht verwunderlich, dass der hohe EV/EBITDA-Wert auf eine Überbewertung hindeutet – und das eingesetzte Kapital sich erst nach sehr langer Zeit amortisieren würde.