Sehr häufig taucht in Veröffentlichungen zu den operativen Ergebnissen von Unternehmen der Finanzkennwert EBITDA auf. Was verbirgt sich hinter EBITDA – und wie wird er berechnet?
Bedeutung von EBITDA in einfachen Worten
Zum Beispiel stellt ein Unternehmen ein Produkt her und verkauft es an Endverbraucher – wodurch es Umsatz erzielt. Die Höhe des Umsatzes hängt von Preis und abgesetzter Menge ab.
Doch um das Produkt verkaufen zu können, muss das Unternehmen Ressourcen einsetzen: Löhne und Gehälter, Strom, Rohstoffe, Werbung usw. Ein Teil dieser Aufwendungen fließt nicht als echte Barausgabe in den Berichtszeitraum ein – etwa Abschreibungen, also die buchhalterische Wertminderung von Anlagen. Tatsächlich zahlt das Unternehmen jedoch niemandem etwas für diesen „Buchverlust“. Daher entspricht EBITDA im Wesentlichen dem Umsatz abzüglich der tatsächlichen, barwirksamen Ausgaben.
EBITDA gehört nicht zu den gesetzlich vorgeschriebenen Positionen im Jahresabschluss nach IFRS. Daher veröffentlichen Unternehmen diesen Wert meist freiwillig in ihren Präsentationen bei der Bekanntgabe operativer Ergebnisse.
Wie wird EBITDA berechnet?
Es gibt zwei gängige Berechnungsmethoden für EBITDA.
Erste Methode:
EBITDA = operative Ergebnis + Abschreibungen
Beispiel: Im Berichtsquartal betrug das operative Ergebnis eines Unternehmens 130 Millionen US-Dollar. Die Abschreibungen beliefen sich im selben Quartal auf 30 Millionen US-Dollar. Mit der ersten Methode ergibt sich:
EBITDA = 130 + 30 = 160 Millionen US-Dollar.
Jedoch berücksichtigen viele Unternehmen aufgrund der formalen Bezeichnung alle Ertrags- und Aufwandspositionen – unabhängig davon, ob sie aus der Kerngeschäftstätigkeit stammen oder nicht. Dadurch können beispielsweise Erträge aus Nebentätigkeiten, Beteiligungen oder einmaligen Vermögensverkäufen in die Berechnung einfließen. Daraus resultiert die zweite Berechnungsmethode.
Zweite Methode:
EBITDA = Nettogewinn + Steuern + Zinsaufwand + Abschreibungen
Nehmen wir das obige Beispiel erneut auf – ergänzt um einen Nettogewinn von 71 Millionen US-Dollar, Steuern von 57 Millionen US-Dollar und Zinsaufwand von 2 Millionen US-Dollar.
Mit der zweiten Methode ergibt sich:
EBITDA = 71 + 57 + 2 + 30 = 160 Millionen US-Dollar.
Feinheiten der Berechnung

Theoretisch sollte EBITDA unabhängig von der gewählten Berechnungsmethode identisch sein. In der Praxis können die Ergebnisse jedoch stark voneinander abweichen – etwa wenn das Unternehmen hohe Erträge aus Investitionen oder dem Verkauf von Vermögensgegenständen erzielt hat.
Leider nutzen manche unseriösen Unternehmen diese Unklarheit indirekt in ihren „Gewinn-und-Verlust-Rechnungen“, um Investoren irrezuleiten. Außerdem kann ein Unternehmen beispielsweise in einem Jahr EBITDA nach Methode 1 berechnen und im nächsten Jahr nach Methode 2 – was zu einer künstlich überhöhten Einschätzung der Unternehmensleistung führt.
Wird EBITDA hingegen konsequent mit nur einer Methode ermittelt, so ist er ein durchaus aussagekräftiges Instrument zum Vergleich finanzieller Kennzahlen.
EV/EBITDA und EBITDA-Marge
EBITDA ist ein absoluter Kennwert und – wie bereits erwähnt – vor allem zum Branchenvergleich geeignet. Darüber hinaus verwenden Analysten ihn häufig in sogenannten Multiplikatoren.
Der am weitesten verbreitete Multiplikator ist EV/EBITDA (Enterprise Value / EBITDA) – also das Verhältnis des Unternehmenswerts zum EBITDA-Wert.
Der EV/EBITDA-Multiplikator zeigt an, mit wie vielen Jahren EBITDA Investoren das Geschäft bewerten. Für jeden Wirtschaftszweig existiert ein branchenspezifischer Durchschnittswert für EV/EBITDA. Anhand dieses Durchschnitts und seiner Entwicklung kann ein Investor rasch eine erste Einschätzung der angemessenen Unternehmensbewertung vornehmen.
Eine weitere wichtige Anwendung ist die EBITDA-Marge (EBITDA margin). Sie berechnet sich nach folgender Formel:
EBITDA-Marge = EBITDA / Umsatz
Die EBITDA-Marge spiegelt die Effizienz eines Unternehmens wider, ermöglicht eine Bewertung der Rentabilität und des zukünftigen Investitionspotenzials – und liefert ein tieferes Verständnis der finanziellen Stabilität als reine Gewinnkennzahlen.
Nachteile von EBITDA
Trotz seiner weiten Verbreitung und praktischen Relevanz weist die Nutzung von EBITDA zur Bewertung der Rentabilität eines Unternehmens zwei gravierende Nachteile auf:
- Er eignet sich nicht für eine adäquate Bewertung von Unternehmen mit sehr teurer Ausrüstung oder mit über Kreditaufnahme finanzierten Anlagen;
- Einige Unternehmen können zwar einen hohen EBITDA aufweisen, gleichzeitig aber niedrige Nettogewinne und eine schwache Rentabilität erzielen.
Zusammenfassend lässt sich festhalten: EBITDA sowie darauf basierende Multiplikatoren sind effektive Werkzeuge zur Analyse und zum Vergleich der operativen Rentabilität, der fairen Unternehmensbewertung und des Investitionspotenzials. Dennoch weisen Experten von fortraders.org darauf hin, dass bei ihrer Anwendung die genannten Einschränkungen stets berücksichtigt werden müssen.
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