Fast jeder Broker führt in seinem Instrumentenangebot eine Gruppe namens CFD. Bei CFD auf Rohstoffe und Waren ist die Sachlage weitgehend klar – bei CFD auf Aktien sieht es jedoch anders aus: Sie sind weniger verbreitet. Dieser Artikel zielt darauf ab, dieses Handelsinstrument für Privatanleger verständlicher zu machen. Er ist vorwiegend als leicht verständliches Glossar gestaltet – mit Erklärungen, die sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Trader geeignet sind. Wo sinnvoll, ergänze ich die Begriffe in Klammern durch die englischen Originalbezeichnungen, da diese universeller sind und im Umgang mit CFD auf Aktien häufig auftauchen. Wir verzichten auf lange Einleitungen und gehen direkt zur Sache.
CFD – ein rein spekulatives Instrument
Beginnen wir mit dem Grundbegriff: CFD (Contract For Difference) oder Differenzkontrakt ist eine Vereinbarung zwischen Trader und Broker über die Zahlung der Differenz zwischen dem aktuellen Kurs eines Basiswerts und dessen Kurs zum Zeitpunkt des Auslaufs oder der Schließung. Bei CFD auf Aktien gibt es – im Gegensatz zu CFD auf Futures – keine feste Laufzeit. Zudem kann der Trader den Kontrakt jederzeit einseitig schließen – ein weiterer wichtiger Vorteil.
Wie Sie sehen, handelt es sich bei CFD um ein derivates Instrument, dessen Wert sich nach dem zugrundeliegenden Basiswert richtet – hier also nach dem Aktienkurs. Es ist ein rein spekulatives Produkt, das gezielt für den Handel mit kleinem Kapitaleinsatz entwickelt wurde.
Der Kauf eines CFD auf Aktien beinhaltet keine physische Eigentumsübertragung der zugrundeliegenden Aktien. Sie werden also nicht Aktionär des Unternehmens. Schauen wir uns daher kurz an, was eine Aktie (Teilen) eigentlich ist: Eine Aktie ist ein Wertpapier, das das Recht auf einen Anteil am Gewinn des Unternehmens (Dividende) sowie das Stimmrecht auf der Hauptversammlung verleiht. Es gibt verschiedene Arten von Aktien – doch darauf gehen wir hier nicht näher ein, da dies nicht Kernthema dieses Artikels ist. Detaillierte Informationen dazu finden Sie problemlos im Internet.
Natürlich berechtigt ein gehaltener CFD nicht zur Teilnahme an Hauptversammlungen. Bei Dividenden sieht es jedoch anders aus. Damit kommen wir zum Begriff Dividende (Dividend): Dies ist ein Teil des Unternehmensgewinns, der an die Aktionäre entsprechend ihrer Aktienanzahl ausgezahlt wird.

Dividendenkalender
Viele CFD-Broker zahlen – ebenso wie Aktienbroker – Dividenden aus. Da es sich jedoch nicht um echte Aktien, sondern um Differenzkontrakte handelt, wird dieser Vorgang oft als „Dividendenanpassung“ (Dividend adjustment) bezeichnet. Der Betrag wird auf der Website Ihres Brokers angegeben. Im Dividendenkalender finden Sie mehrere wichtige Termine – wir erklären sie chronologisch.
Der erste Termin ist der „Bekanntgabetermin“ (Declared Date): An diesem Tag hat der Verwaltungsrat (oder die Aktionäre) die Dividende beschlossen. Somit wird an diesem Tag die Dividende pro Aktie veröffentlicht.
Der nächste Termin ist der „Ex-Tag“ (Ex-dividend Date): Um Anspruch auf die Dividendenanpassung zu haben, müssen Sie zum Stichtag – genauer gesagt: zum Beginn der Handelssitzung – bereits eine Long-Position in einem CFD halten. Das bedeutet praktisch: Der CFD muss bereits am Vortag des Ex-Tags gekauft sein. Dies ist entscheidend.
Der letzte Termin ist der „Auszahlungstermin“ (Pay Date): An diesem Tag erhalten Sie die Dividendenanpassung – sofern Sie zum Ex-Tag im Besitz des CFD waren. Wichtig: Sie müssen den CFD nicht bis zum Auszahlungstermin halten. Selbst ein Verkauf am Ex-Tag selbst reicht aus – Ihr Konto ist dann bereits im Aktienregister verzeichnet, und Sie erhalten die Anpassung ohne weitere Bedingungen.
Die Häufigkeit und Höhe der Dividendenauszahlung hängt vom Beschluss der Aktionäre ab. Meist erfolgt die Ausschüttung vierteljährlich; bei einigen Titeln jährlich. Diese Informationen finden Sie in der Regel ebenfalls auf der Website Ihres Brokers. Ein weiterer Hinweis: Nicht jedes Unternehmen zahlt regelmäßig Dividenden – manchmal schließt ein Unternehmen das Geschäftsjahr mit einem Verlust ab und beschließt daher, keine Dividende auszuschütten.
Beachten Sie zudem: Um Dividenden zu erhalten, benötigen Sie zum Ex-Tag eine Long-Position (Buy). Haben Sie stattdessen eine Short-Position (Sell), wird der Betrag der Dividendenanpassung am Auszahlungstag von Ihrem Konto abgebucht. Viele Broker bieten zudem einen Dividendenrechner an – sehr praktisch. Damit sei zu Dividenden alles gesagt.
ETF – börsengehandelte Fonds
Bei CFD auf Aktien handelt es sich nicht immer um echte Einzelaktien. Einige Instrumente gehören einer anderen Wertpapierklasse an: den börsengehandelten Fonds. Börsengehandelte Fonds (Exchange Traded Fund, meist abgekürzt als ETF) sind Indexfonds, deren Anteile frei an der Börse gehandelt werden können. Die Zusammensetzung solcher Fonds spiegelt exakt die Struktur ihres zugrundeliegenden Indexes wider.
Ein Beispiel, das bei nahezu allen Brokern mit CFD-Zugang verfügbar ist, ist der ETF mit dem Ticker SPY. Sein Basisindex ist der S&P 500. Der Fonds enthält sämtliche Aktien der Unternehmen, die im S&P 500 enthalten sind – und zwar im gleichen Gewichtungsverhältnis. Übrigens war SPY der erste ETF, der in den USA gehandelt wurde, und zählt heute zu den liquidesten und beliebtesten Instrumenten weltweit. Trader nennen ihn oft „Spider“. Weitere häufig verfügbare ETF-Ticker sind unter anderem DIA und QQQ.
Notierung. Alle CFD auf Aktien werden auf zwei Dezimalstellen notiert – dies entspricht der Notierung der zugrundeliegenden Aktien. In den USA gibt es zwar Aktien unter einem Dollar mit vier Nachkommastellen, doch werden dafür keine CFD angeboten, da es sich meist um sogenannte „Pennystocks“ handelt – Aktien von Unternehmen mit hohem Risiko einer Streichung von der Börse.
Positionsgröße. Die Größe von 1 Lot beim CFD entspricht genau 1 Lot an der Börse. In den USA (wo fast ausschließlich US-Aktien als CFD angeboten werden) umfasst ein Standard-Lot 100 Aktien, unabhängig vom Einzelkurs. Ein CFD-Volumen von 0,01 entspricht daher dem Kauf einer einzelnen Aktie – einfach und übersichtlich.
Hebel. Wie bereits erwähnt, wurden CFD ausschließlich für spekulative Zwecke konzipiert – ein Handel ohne Hebel macht daher wenig Sinn. In der Regel können Sie CFD auf Aktien bei fast allen Brokern mit einer Sicherheitsleistung von 10 % handeln, also mit einem Hebel von 1:10. Einige Anbieter ermöglichen sogar Hebel von 1:20 oder höher.
Kostenstruktur. Nun zum finanziellen Aspekt: Welche Gebühren fallen beim Handel mit CFD auf Aktien an? Erstens: die Provision. Diese variiert je nach Broker, beträgt durchschnittlich 0,05 %. Sie wird nur bei Eröffnung einer Position fällig – im Gegensatz zum klassischen Aktienhandel, bei dem Provisionen sowohl beim Kauf als auch beim Verkauf anfallen. Zweitens: der Spread. Jede CFD-Position unterliegt – wie bei Devisen – einem Spread. Bei CFD ist dieser meist fest (nicht variabel) und hängt in der Regel vom Kurs des zugrundeliegenden Instruments ab: Je höher der Aktienkurs, desto größer der Spread. Drittens: die Finanzierungskosten (Swap). Der Swap ist in der Regel gering – und lässt sich in den meisten Fällen komplett vermeiden, wenn Ihr Broker swap-freie Konten anbietet (was bei nahezu allen Anbietern der Fall ist).
Letzter Punkt: CFD auf Aktien sind nur während der regulären Handelszeiten des zugrundeliegenden Basiswerts handelbar. Handeln Sie CFD auf US-Aktien, gelten die Börsenzeiten von Montag bis Freitag, 9:30 bis 16:00 Uhr (EST). Daher weisen die Charts oft keine Kursbewegungen auf. Beachten Sie zudem Feiertage: Im Gegensatz zum Forex-Markt ruht der Aktienhandel – und damit auch der CFD-Handel – an Börsenfeiertagen vollständig.
Diese Merkmale kennzeichnen CFD auf Aktien – wie Sie sehen, ist daran nichts Kompliziertes. In kommenden Artikeln zeigen wir Ihnen, wie Sie mit diesen Instrumenten profitabel handeln können, welche Vorteile sie gegenüber anderen Finanzinstrumenten bieten (merkwürdigerweise nutzt sie kaum jemand) – und welche Funktionen es bei keinem anderen Instrument gibt. Bis bald!