ForTraders.org 29/06:

Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern gescheitert
Der griechische Premierminister Alexis Tsipras lehnte das Angebot der Gläubiger ab, das laut Informationen aus einer Quelle der Zeitung The Guardian nicht mit der ursprünglichen Vereinbarung im Memorandum übereinstimmte und die Bedingungen für Griechenland verschlechterte.

Die griechischen Gläubiger boten Griechenland an, das laufende Finanzierungsprogramm um 15,5 Milliarden Euro zu erhöhen und es um fünf Monate zu verlängern (bis November 2015). Aber Tsipras entschied, nach eigenem Ermessen vorzugehen und keine Kompromisse einzugehen. Ein Referendum über das Sparprogramm ist für den 5. Juli geplant. In Kommentaren zu dieser Entscheidung erklärte der griechische Premierminister, dass er einen negativen Antwort des Volkes erwartet, also sollte die Bevölkerung gegen alle Sparprogramme stimmen, denn dies würde Griechenland nicht retten, sondern alles wie bisher lassen, was Tsipras in seiner Wahlkampfkampagne nicht versprochen hatte. Der griechische Ministerrat unterstützte die Entscheidung seines Premierministers.
Am Ende blieben die Verhandlungen stecken. Die Gläubiger lehnten die Verlängerung des Programms ab, am 30. Juni erwartet Griechenland eine Insolvenz, da am selben Tag 1,7 Milliarden Dollar an die IMF gezahlt werden müssen.
Auf dieser Grundlage begannen verschiedene Experten ihre Bewertungen zu äußern. Der irische Finanzminister stellte trocken fest, dass ein Krisenbeginn aufgrund der Nichtverlängerung des finanziellen Hilfsprogramms stattfand, da die Gläubiger den griechischen Referendum nicht abwarten würden, also die Insolvenz vorher erklären würden. Die Finanzierung griechischer Banken durch die EZB wird anscheinend enden (bereits jetzt hat die EZB bei ihren täglichen Sitzungen beschlossen, die Bereitstellung von Hilfe im Rahmen des ELA (Notfall-Liquideit) vorübergehend zu beenden).
Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble verurteilte Griechenland für schwere Zeiten, wobei er faktisch das Scheitern der Verhandlungen bestätigte.
Doch nicht alle sind so pessimistisch, und einige Verhandlungen finden tatsächlich statt. Insbesondere kürzlich gab der Eurokommissar Moscovici bekannt, dass kurz vor dem Kommissionschef Juncker neue Vorschläge für Griechenland vorgestellt werden und nur noch wenige Zentimeter bis zur Einigung fehlen.
Was erwartet Griechenland?
Ökonomen fordern die sofortige Einführung eines Kapitalkontrollsystems. Griechische Banken haben keine Liquidität mehr, das Volk und Unternehmen ziehen Geld aus Konten und Einlagen ab. Am Montag könnten Kreditinstitute nicht öffnen. Könnten sie nicht öffnen? Griechische Banken sind nicht geöffnet worden. Sie bleiben bis zum 6. Juli geschlossen.

Griechenland erwartet eine Insolvenz und einen Austritt aus der Eurozone. Dies sind reale Perspektiven. Was mit der griechischen Wirtschaft passieren wird, kann man nur vermuten. Wenn Schäuble sagt, dass das griechische Problem nicht auf andere Länder übergreifen und ihr Interesse, den Währungsverbund zu verlassen, beeinflussen soll, dann halten die Griechen Europa und das System, das über Jahre gebaut wurde, für verantwortlich.
Was erwartet die Eurozone?
Faktisch hat Tsipras durch seine Handlungen die Stabilität der Eurozone untergraben. Dies könnte viele periphere Länder des Währungsverbunds dazu veranlassen, über die Sinnhaftigkeit ihres Mitgliedschafts nachzudenken, insbesondere im Licht des Anstiegs der Beliebteität oppositioneller Parteien in Europa. Dies bedroht eindeutig den Zusammenbruch der Eurozone. Wenn früher alle Probleme innerhalb der Eurogruppe gelöst wurden, geht die Frage nun an das Volk. Tsipras organisiert ein Referendum, während die Europäische Kommission, die Eurogruppe und andere nie nachfragten, was die Menschen wollen, sondern eigene Entscheidungen trafen und dadurch ihre Machtbereiche unbemerkt ausweiteten.
Noch abwarten
Formalität, aber dennoch lohnt es, auf die Ergebnisse des griechischen Referendums zu warten. Wenn das Volk doch noch auf das Sparprogramm (Kürzung der Renten und Gehälter der Beamten) eingeht, könnte ein Kompromiss zwischen Griechenland und den Gläubigern erreicht werden, trotz der Deviseninsolvenz vor der IMF.
Griechenland vs. Eurozone: Wie es war
- Der Wechselkurs des Euros wird mit Griechenland oder ohne fallen
- Euro/Dollar hat einen absteigenden Trend gebildet, wir erwarten die Paare bei 1,1000
- Die Zukunft des Euros liegt in den Händen Griechenlands wie nie zuvor
- <a title=”Ende des Euros: Grexit, Brexit und… Frexit” href=”https://fortraders.org/kurs-euro-prognoz/evro-konec-gre





