ForTraders.org 23/06: Im Nachrichtenagentur Bloomberg haben sich mit einer ähnlichen Frage beschäftigt: In welcher Lage wäre Griechenland gewesen, wenn es niemals ein Mitglied des Währungsverbunds gewesen wäre.

Hätte Griechenland die Eurozone gebraucht?
Tatsächlich hätte das Land erweiterte Möglichkeiten zur Unterstützung seiner Wirtschaft gehabt. Ein häufiger Ansatz ist die Schwächung der nationalen Währung, was in diesem Fall die griechische Drachme wäre. Viele Länder verfolgen diesen Weg, obwohl die Devalutiation zahlreiche Nachteile hat.
Laut Bloomberg könnte das Verhältnis der Kurse der deutschen Mark zur griechischen Drachme bis 2015 über 1000 gestiegen sein, doch es lohnt sich auch einen Blick auf die wirtschaftlichen Entwicklungen Griechenlands vor und nach dem Beitritt zur Eurozone zu werfen. Wenn das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Griechenland nach der Einführung des Euros um 1 % gestiegen ist, stieg es in Deutschland um 20 %. Die Differenz zwischen diesen Kennzahlen lag in Griechenland und Deutschland im Jahr 1985 bei 8,1 Tsd. USD, während sie 2013 bereits bei 21 Tsd. USD lag. Die Arbeitslosenquote in Griechenland stieg in den letzten 16 Jahren auf 25 %, während sie in Deutschland auf 4,7 % gesunken ist.
Man kann also schlussfolgern, dass die Eurozone hauptsächlich Deutschland profitiert, während periphere Staaten kaum etwas davon haben. Zu diesen gehören Portugal, Spanien und viele andere. Für sie war der Euro nicht nötig.
Welche Folgen hatte der Beitritt zur Eurozone?
Daher sehen wir jetzt, mit welcher Hartnäckigkeit Griechenland gegen seinen eigenen Zahlungsausfall kämpft. Der EZB versucht nur, liquide griechischen Banken zu unterstützen und erhöht den Limit am 17. Juni zum vierten Mal. Das Abfluss von Einlagen aus griechischen Banken übertreffen die Ausmaße des in Zypern im Jahr 2012 stattgefundenen. Gelder werden in Milliarden Euro abgezogen und bald wird das Sicherheitsvermögen, das der EZB für die Liquidität bereitgestellt wird, bei griechischen Banken erschöpfen (expertenmäßig beträgt das Gesamtvolumen der Sicherheiten 96 Mrd. EUR, und bereits fast 90 Mrd. EUR wurden bereitgestellt). Außerdem zögern Griechen nicht, ihre Kredite, einschließlich Hypotheken, zu bezahlen, was bereits auf die Ausmaße der Katastrophe hindeutet.
Von einem Zahlungsausfall kann man noch retten
Doch Griechenland hat noch immer eine Chance zu überleben. Auf dem heutigen, am Dienstag stattfindenden Gipfel hat die griechische Seite den Gläubigern ein neues Angebot gemacht, das von ihrer Seite sehr geschätzt wurde. Dies sei ein ernster Schritt in Richtung Erreichung eines Abkommens, meinen Teilnehmer des Gipfels. Dabei geht es nicht um die Bereitstellung von Geldern im Rahmen des dritten Hilfsprogramms, sondern lediglich um die Freigabe des letzten Tranches von 7,2 Mrd. EUR im abgelaufenen Finanzhilfepaket, dessen letzter Termin am 30. Juni liegt. Wenn dies nicht geschieht, wird der Zahlungsausfall Griechenlands unvermeidlich, und die Zukunft des Euros wird in Frage gestellt.