Der Bärenmarkt für Gold hält an
Die Stärkung des US-Dollars wirkt sich negativ auf die Kurse von Gold aus. Auf dem Spot-Markt ist der Preis von Gold bereits um mehr als 8,5 % gegenüber dem Jahr 2015 gesunken, und der Rückgang der Preise für das Edelmetall stimuliert den Bedarf. Laut einem Bericht des World Gold Council stieg der globale Bedarf nach Gold im dritten Quartal dieses Jahres um 8 % im Vergleich zum Vorjahr auf 1120,9 Tonnen, vor allem durch höhere Verkäufe von Schmuckstücken, Münzen und Barren, während ETF-Börsenfonds einen Kapitalabfluss erlebten und zudem Zentralbanken und der Technologiebereich ihre Käufe reduzierten.

In den letzten Jahren war die Geldpolitik der Federal Reserve (FED) ein entscheidender Faktor für den Goldpreis. Im September 2011 erreichte der Goldpreis ein historisches Hoch, was auf den Anstieg der Nachfrage nach dem Metall zur Absicherung vor Inflation sowie auf die durchgeführte Geldpolitik zur Wirtschaftsförderung zurückging. Seitdem sanken die Goldkurse, da die Inflationserwartungen schwächer wurden und der US-Dollar stärker wurde.
Nach Beendigung des Quantitative Easing-Programms der FED im Oktober 2014 erwarteten Investoren eine Verschärfung der Geldpolitik und eine Zinserhöhung, erstmals in den letzten neun Jahren. Die Erholung der amerikanischen Wirtschaft setzte sich fort, sodass die FED seit Anfang 2015 regelmäßig ihre Absicht kundtat, die Zinssätze vom aktuellen, nahezu null Niveau zu erhöhen. Dies führte zu einer Stärkung des Dollars und übte Druck auf die Goldkurse aus, die am 12. November fast ein sechsjähriges Tief von 1080 erreichten, nachdem der Arbeitsmarktbericht vom 6. November die Erwartungen übertroffen hatte. Die Zinserhöhung erhöhte die alternative Kostenlage des Besitzes von Gold, das keinen Zins erwirtschaftet, und die Stärkung des Dollars erhöhte die Kosten für Investitionen in Gold in fremder Währung, was negativ auf die Nachfrage nach dem Edelmetall wirkte.
Der Rückgang des GOLD-Preises überrascht nicht
In der Mitteilung der FED zur Geldpolitik vom 28. Oktober stand klar geschrieben, dass bei der Sitzung im Dezember die Frage der Zinserhöhung geprüft werden würde. Diesmal wurde das Verlangsamung der globalen Wirtschaftswachstumsrate nicht als negativer Faktor für die Entwicklung der US-Wirtschaft genannt, obwohl dieser Faktor in der September-Erklärung kurz nach dem Zusammenbruch der globalen Märkte im August erwähnt wurde.
Die FED gab bekannt, dass sie die Situation beobachten und bei der Entscheidung über die Zinssätze die Annäherung an das maximale Beschäftigungslevel und das Ziel der Inflation von 2 % berücksichtigen werde – sowohl bei realen Kennzahlen als auch bei Prognosen. Obwohl die Inflation für einige Zeit unter dem Ziel lag, spricht der plötzlich positive Arbeitsmarktbericht im Oktober über das Wachstum der Arbeitsplätze und die Annäherung an das Vollbeschäftigungslevel: die Arbeitslosenquote sank auf 5 % von 5,1 % im vorherigen Monat, und der Durchschnittslohn pro Stunde stieg um 0,4 %. Die Einnahmen aus Schatzanweisungen stiegen ebenfalls, was zu einer Stärkung des Dollars bis zu einem Rekordhoch von zehn Jahren führte, bedingt durch die gestiegene Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember.
Die Goldkurse hängen von der Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung ab
Seitdem haben neue makroökonomische Statistiken die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember erhöht: erstmals in drei Monaten sind die Inflationsraten positiv gewesen und lagen im Oktober bei 0,2 % im Monatsvergleich, was den Erwartungen entsprach. Die Grundinflation, also ohne Berücksichtigung der Schwankungen der Preise für volatiles Essen und Energie, stieg um 1,9 % jährlich, was ebenfalls den Prognosen entsprach. Bei Beibehaltung des starken Dollar-Kurses, dem verlangsamten Wirtschaftswachstum in China und der Lockerung der Geldpolitik in der Eurozone und Japan wird der weitere Anstieg der Preise davon abhängen, wie stabil der innere Nachfrage in den USA bleibt.
Werden die Goldkurse weiter fallen?

Die aktuelle Situation auf dem US-Arbeitsmarkt ist nahe am Vollbeschäftigungsniveau, sodass die Steigerung der Löhne einen bestimmten Anreiz für ein schnelleres Wachstum der Inflation darstellen wird, auch wenn dies nicht ausreicht, um das Ziel von 2 % zu erreichen. Dann wird die Zentralbank entscheiden, ob die aktuelle Entwicklung der Preistrends ausreicht, um zu glauben, dass das Ziel von 2 % im Mittelfristigen erreicht wird. Dieser Szenarion könnte realisiert werden.
Laut CME Group FedWatch, basierend auf der Situation auf dem Futures-Markt für die Fed-Fund-Sätze, wird die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der FED im Dezember derzeit mit 71,7 % bewertet. Wir gehen davon aus, dass der Goldpreis weiter fallen wird, bis der nächste psychologisch wichtige Unterstützungsniveau bei 1000 $ pro Unze erreicht ist, sofern keine negativen Daten auftreten. Zum Beispiel kann ein unerwartet niedriges, überarbeitetes Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA im dritten Quartal, ein Rückgang der Bestellungen für langfristige Güter, ein Rückgang des Dienstleistungsindex oder ein schwacher Arbeitsmarktbericht auf eine Schwäche der US-Wirtschaft hinweisen und die FED dazu zwingen, die Entscheidung über eine Zinserhöhung zu verschieben. In solchen Fällen ist eine Korrektur wahrscheinlich, die zu einem Rückgang des Goldpreises auf die Höchststände Mitte Oktober führen könnte.