FORTRADER: Auf dem russischen Markt ist der „Schwarze Montag“ vom 16. Dezember 2014 bis heute noch in Erinnerung, als der Kurs des Euro zum Rubel sich der Marke von 100 Rubel pro Euro näherte und der Kurs des US-Dollars zum Rubel auf 80 Rubel pro Dollar stieg. Die Vorsitzende der Zentralbank Russlands, Elwira Nabijulina, betonte, dass sie plötzliche Preissprünge ausschließt, doch die Ereignisse eines Jahres zuvor zeigten, dass der Regulator nicht auf solche Entwicklungen vorbereitet war. Interessanterweise wird dieses Jahr am 16. Dezember die Ergebnisse des Treffens der Fed verkündet, von dem der Markt eine Zinserhöhung erwartet.
Kann es am gleichen Tag ein Wiederholung des „Schwarzen Montags“ für den Rubel geben?

Alexander Kupcikewitsch, Analyst bei FxPro: In Verteidigung der Zentralbank Russlands kann man sagen, dass nach diesen erinnerungswürdigen Ereignissen die Zentralbank entschlossener handelte und nicht mehr in freie Märkte und schwankenden Rubel spielte. Zum Beispiel begannen Repo-Operationen, die Zinssätze wurden stark erhöht usw. Während des Jahres hat die Zentralbank diese Maßnahmen nicht aus ihrem Arsenal entfernt, sondern nur teilweise reduziert. Es gab sogar einen Zeitraum, in dem die Zentralbank ihre Goldreserven auffüllte, doch bei den ersten Anzeichen einer verstärkten Druck auf den Rubel wurden diese Käufe eingefroren.
Zur Zeit des Dezembers spricht die Zentralbank Russlands erneut über die Wiederaufnahme von Repo-Operationen, um Banken die Möglichkeit zu geben, sich in Dollar zu refinanzieren, mit den Krediten, die ein Jahr zuvor aufgenommen wurden. Dies verspricht, wenn auch nicht vollständig, zumindest teilweise den Druck auf den Devisenmarkt zu verringern.
Ursachen des „Schwarzen Montags“ 2014
Mir scheint es wichtig zu erklären, dass die Situation des „Schwarzen Montags“ vor einem Jahr als Ergebnis zweier Ursachen betrachtet werden sollte.
- Zum einen das objektive Absinken des Rubelkurses im Zusammenhang mit dem Rückgang der Ölpreise. Während des Jahres blieb die nationale Währung etwa auf demselben Niveau im Verhältnis zu Öl. Vereinfacht gesagt, schwankte es um 3600 Rubel pro Barrel, was mit dem Preis des Barrels, der im Budget berücksichtigt wurde, übereinstimmte.
- Zum anderen die eigene Abwärtsspirale des Rubels. Dies geschah im Hintergrund der Verschärfung der Sanktionen, was letztendlich vielen Unternehmen die Möglichkeit verwehrte, Finanzierung im Ausland zu erhalten. Gleichzeitig mussten sie für ihre eigenen Schulden bezahlen. Diese Spirale löste die Panik aus, deren Höhepunkt der Kurssturz auf 80 Rubel pro Dollar war. Hier konnte man nicht mehr auf das Öl verweisen, denn dessen Preis in Rubeln stieg auf 4670 in einem Moment.
Schlechte und gute Nachrichten für den Rubelkurs
Wenn man diese Situation mit dem heutigen Tag vergleicht, gibt es schlechte und gute Nachrichten.
Gute Nachricht besteht darin, dass wir den panischen Schock auf dem Devisenmarkt vermeiden können. Dafür gibt es sofort mehrere Gründe.
Erster Grund ist, dass sich die geopolitische Situation in den letzten Jahren nicht verbessert hat, was dazu zwang, sich an die Marktrealitäten anzupassen. Das bedeutet, dass sie weniger im Ausland geliehen haben, was letztendlich zu geringeren Zahlungen für ausländische Schulden führte.
Zweiter Grund ist, dass die Zentralbank die Folgen und den Preis kennt, den die Wirtschaft später für solche kurzen Perioden der Marktschwankungen zahlen muss (ein Rückgang der Unternehmens- und Konsumaktivität, steigende Preise, protektive Zinssätze). Die Maßnahmen zur Glättung solcher Situationen sind erprobt und man kann sicher sein, dass sie bei der ersten Gelegenheit angewandt werden. Daher gibt es keinen Grund, auf plötzliche Abweichungen des Rubels von dem Öl zu warten. Und hier kommen wir zu schlechten Nachrichten.
Die Kontrolle über den Ölpreis bleibt sowohl für die Zentralbank Russlands als auch für jeden einzelnen Spieler außerhalb ihrer Reichweite. Außerdem kann der Rubel gegenüber dem Dollar sinken, selbst wenn der Ölpreis relativ stabil bleibt – durch die Stärkung des USD. Es ist durchaus vorstellbar, dass der Ölpreis bis Ende Dezember auf 38 Dollar pro Barrel fällt und die logische Reaktion darauf der Anstieg des EUR/USD-Kurses auf 80 wäre.
Vor einem Jahr, nach dem Treffen der OPEC, verlor der Ölpreis mehr als 20 Dollar bis Ende des Jahres, daher wäre es nichts Besonderes, wenn der Ölpreis von seinen aktuellen Niveaus um 8 Dollar fällt. Bei fallenden Ölpreisen wird die Zentralbank wahrscheinlich abwarten, bis die Bedrohung für den Rubel zunimmt, so wie es die Zentralbank im August tat. Unter allen Änderungen der Geldpolitik ist lediglich eine Pause bei der Senkung der Zinssätze möglich.
Wird es keine Wiederholung des „Schwarzen Montags“ geben?
Auf die ursprüngliche Frage, ob es am heutigen Dezember zu einer Wiederholung des „Schwarzen Montags“ kommen könnte, kann man mit „Nein“ antworten, bedeutet dies jedoch nicht, dass der Rubel wieder stärker geworden ist und dass dieser Moment in der Zukunft nicht wiederholt wird.
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