ForTraders.org 06/07: Was könnte Griechenland nachdem das Volk des Landes gegen das Angebot der Gläubiger gestimmt hat, erwarten? Die Deutsche Bank hat vier Szenarien für die Entwicklung der Ereignisse entwickelt.

Gläubiger machen Kompromisse
Das unwahrscheinlichste Szenario ist, dass die Gläubiger Griechenland entgegenkommen und ihm mildere Bedingungen anbieten. Je geringer die Wahrscheinlichkeit dieses Entscheids, desto schädlich kann er für den Euro-Raum sein.
In der langfristigen Perspektive können die Folgen genauso negativ sein wie bei einem Grexit, also dem Ausstieg Griechenlands aus dem Euro-Raum.
Mildernde Bedingungen für Griechenland können Unzufriedenheit unter anderen Ländern im Euro-Raum auslösen, da für sie keine Sonderbehandlung vorgesehen ist. Dieser Präzedenzfall könnte zu einer ernsteren Entwicklung der Eurokrise führen.
Griechenland erklärt Insolvenz, bleibt aber im Euro-Raum
In diesem Fall ist eine direkte Rekapitalisierung griechischer Banken wahrscheinlich. Dies wird jedoch in Wirklichkeit den Beginn eines neuen Finanzierungsstadiums für Griechenland bedeuten, gleichzeitig aber zusätzliche Hoffnungen auf Reformen im Bereich der Wachstumsförderung und Investitionsschutz in europäischen Ländern wecken.

Ein negativer Aspekt ist, dass nach der Erklärung der Insolvenz es schwierig ist, den Finanzierungsprozess einzuleiten, da ein solches Ereignis nicht allein ausreichen wird und das Land von einer Welle von Unternehmensinsolvenzen überrollt werden könnte.
Diesem Beispiel könnten auch andere Länder im Euro-Raum folgen, deren Insolvenz nun als normal angesehen wird. Schließlich ist es möglich, nicht zu zahlen, aber weiterhin Mitglied im Euro-Raum zu bleiben und weiterhin Hilfe zu erhalten.
Als nächstes wird Spanien ins Visier geraten, wo die nächste Syriza bei den Wahlen gewinnen wird (in Spanien gibt es dafür die Partei „Podemos“), und danach werden andere Länder folgen, wodurch die Existenz der Eurozone in Frage gestellt werden könnte.
Für Griechenland ist auch eine Insolvenz und eine Rekapitalisierung der Banken nicht besonders vorteilhaft. Zunächst führt dies zu höheren Ausgaben und Druck auf die Wirtschaft, und zum Schluss ist eine geschlossene Bankensystem, das durch all dies entsteht, politisch zu teuer.
Zusammenfassend hat das zweite Szenario das Recht zu existieren, aber wenn es umgesetzt wird, wird es sich mit der Zeit vermutlich in das dritte Lösungsmodell verwandeln.
Neues Regierungsteam – Neues Abkommen
Die Situation in Griechenland ist sowohl wirtschaftlich als auch sozial äußerst angespannt. Durch die Reihe von Verhandlungen, Referenden und unpopulären Entscheidungen könnte die Syriza das Vertrauen der Bevölkerung verlieren. Gleichzeitig ist die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland und die Troika sich nachdem das Volk „Nein“ gesagt hat, auf etwas einigen können, nicht sehr groß.
Wenn eine neue politische Kraft an die Macht kommt, wird die Möglichkeit, mit den Gläubigern abzuschließen, ganz anders sein. In jedem Fall spielt die sozial-politische Spannung im Land die Hauptrolle.
Aber das bedeutet nicht, dass Griechenland sofort alles akzeptiert, was man ihm vorschlägt. Um Griechenland im Euro-Raum zu halten, müssen die Gläubiger große Anstrengungen unternehmen, wahrscheinlich sogar die Höhe der Schulden reduzieren. Es könnte sein, dass mehr Aufmerksamkeit auf strukturelle Reformen zur Wachstumsförderung gelegt werden muss, anstatt nur darauf zu achten, die Schulden gegenüber den Gläubigern zu reduzieren.
In dieser Situation wird es schwierig sein, eine klare Handlungsperspektive zu entwickeln, aber es ist nicht sicher, ob in Griechenland Politiker vorhanden sind, die dies mit den Eurozone-Regierungen vereinbaren können. All dies könnte zur Absetzung der griechischen Regierung führen, die in ihrer aktuellen Zusammensetzung kaum von ihrer Position abweichen wird. Die Bildung einer neuen Regierung würde zu weiteren politischen Streitigkeiten führen, möglicherweise sogar zu vorgezogenen Wahlen, was finanzielle Kosten bedeutet.
Syriza bleibt an der Macht und führt einen Grexit durch
Griechenland verlässt entweder den Euro-Raum, bleibt aber in der EU, oder verlässt sogar alles. Europa befindet sich in einer Krise, Griechenland erlebt eine Katastrophe, sowohl wirtschaftlich als auch sozial und politisch.

Die von Deutschland bereitgestellten 15 Milliarden Euro zur Bewältigung der Folgen eines Grexit werden schnell verbraucht, und danach werden die Reserven erschöpft sein. Es wird nicht mehr möglich sein, Löcher rasch zu stopfen.
Juristisch kann Griechenland den Währungsverband verlassen, aber es gibt keine Mittel, um es aus dem Verband zu werfen.
Zunächst kann Griechenland eigenständig und allein die Drachme als nationale Währung einführen. Andererseits kann der Ausstieg aus dem Euro-Raum zwischen beiden Seiten abgesprochen werden. In diesem Fall muss der Europäische Rat einstimmig für diese Entscheidung stimmen, einschließlich Griechenlands selbst.
Wenn Griechenland nicht aus dem Währungsblock ausscheiden möchte, kann man es dazu zwingen. Dazu reicht es aus, den Notfall-Liquiditätszufuhrprogrammen ELA für das Land zu beenden, und dann werden griechische Banken von selbst zu ihrem Ende kommen.
Die offizielle Position der Syriza ist, dass das Land den Euro-Raum nicht verlassen und dies Recht verteidigen wird. In diesem Fall könnten die Gläubiger Griechenland aus dem Währungsverbund entfernen wollen.
Was sind die aktuellen Prioritäten?
Alle Beteiligten befinden sich in Erwartung, bis eine von ihnen etwas tut, aus dem heraus weitere Entscheidungen getroffen werden können. Die Idee eines Grexit hat sich in anderen Ländern nicht besonders verbreitet, außerdem bewältigt die EZB





