Der Ölmarkt: Fundamentalanalyse
Der Ölmarkt war zu Beginn des Jahres ziemlich stabil – negative Tendenzen zeigten sich erst in der zweiten Hälfte von Januar. Die Marktvolatilität hatte auch hier ihre Spuren hinterlassen, aber nicht so stark wie im Währungsbereich.

Artikel ist in Nummer 81 des ForTraders.org-Magazins erschienen
Grundsätzlich liegt der Ball wieder auf dem Feld des Nahen Ostens – es geht um Streitigkeiten über die Neuaufteilung des Ölmarktes unter den größten Produzenten. Insbesondere Iran und Irak bereiten sich darauf vor, gemeinsam mit einem Konsortium einen Teil des Marktes von Saudi-Arabien abzunehmen. Damit der Plan umgesetzt werden kann, müssen sie bis 2020 das produzierte Öl dreifach erhöhen.
Diese Absichten sind recht diplomatisch formuliert. Zum Beispiel betonte der irakische Vizepremier für den Energiemarkt, Herr al-Shahristani, dass die Weltwirtschaft nach dem Rückgang nur langsam wieder aufblühe und dass das Angebot auf dem Rohstoffmarkt ebenfalls erweitert werden müsse.
Die Pläne des Iraks sind sehr umfangreich: Bis 2020 plant das Land, mindestens 9 Millionen Barrel pro Tag zu fördern. Laut offizieller Version soll dies dazu beitragen, die wachsenden Bedürfnisse der Welt zu decken und ihr Vertrauen in den zukünftigen Wirtschaftswachstum nicht zu verlieren.
Auf der einen Seite wird diese Position dem Irak zugutekommen, da er seine Wirtschaft und Infrastruktur stabilisieren kann. Auf der anderen Seite handelt es sich um ein Ignorieren von Barrieren, insbesondere bei der Förderung, die durch OPEC festgelegt wurden. Dieser Ansatz hat eine unangenehme Rückseite – er kann die Ölpreise auf dem Rohstoffmarkt sehr schnell abstürzen lassen.
Wenn der Irak es schafft, Saudi-Arabien zu verdrängen, wird er zum größten Ölproduzenten der Welt. Die Unterstützung durch den Iran ist hier notwendig, da Investitionen benötigt werden und der Iran in der Lage sein wird, dies zu ermöglichen, indem er Investoren anzieht und Garantien für eine stabile Arbeit schafft.
Der Ölmarkt ist deutlich in Bewegung geraten, als er den so dichten Konsortium aus Iran und Irak sah und deren Pläne bis Ende des Jahrzehnts klarstellte. Wenn alles nach den angekündigten Strategien läuft, könnte der Preis eines Fasses Öl auf den Bereich 78–90 US-Dollar sinken und dort lange bleiben.
Technisch finden die Handelsgeschäfte mit dem WTI-Sortiment im Bereich von 96–98 US-Dollar pro Fass statt, was über der mittelfristigen Risikozone im Bereich von 95–96 US-Dollar/Fass liegt. Es gibt Chancen auf eine Erholung des Rohstoffs bis hin zum Bereich von 105–110 US-Dollar/Fass, falls die Käufer es schaffen, die Barriere von 100 US-Dollar zu durchbrechen. Andererseits müssen die Verkäufe aktiviert werden, wenn der Bereich von 94–95 US-Dollar nach unten durchbrochen wird.

Der Artikel wurde von der Analystin des OAO “MFC” Anna Lenevskaya erstellt.




