ForTraders.org: Das Problem Griechenlands nimmt weiter an Fahrt auf. Die Verhandlungen mit der Dreiergruppe der Gläubiger, die eine ziemlich harte Position eingenommen haben, bringen keine erwarteten Ergebnisse. Die griechische Regierung sucht weiter nach Mitteln und verpflichtete Städte, Kommunen und Hochschulen, ihre Gelder in die Bank Griechenlands zu überweisen, was einen offensichtlichen Sabotageversuch dieser Anordnungen auslöste.
Gleichzeitig steigt der Euro weiter, wobei er als Treiber schwache makroökonomische Statistiken aus den USA nutzt. Warum ignoriert der Wechselkursmarkt die Ereignisse in Griechenland? Sind sie nicht wichtig genug oder müssen sie einen bestimmten Punkt erreichen, damit Händler sie berücksichtigen?

Juri Prokudin, Analyst des Investmentfonds “Fond Maguta”: Die Situation in Griechenland ist noch lange nicht gelöst, und dies kann nicht ohne Auswirkungen auf den Devisenmarkt Forex bleiben, doch im Moment ist die Situation etwas widersprüchlich.
Auf der einen Seite verfolgt die Eurozone eine Politik der quantitativen Lockerung, um die Inflation anzukurbeln und ihre Währung abzuwerten, und diese Politik ist noch weit davon entfernt, ihren Abschluss zu erreichen, da sie vermutlich auch nach September 2016 fortgesetzt wird, wenn man den Worten von Mario Draghi glaubt. Auf der anderen Seite gibt es Griechenland mit seinen wirtschaftlichen und politischen Schritten, die es voraussichtlich zum Austritt aus der EU führen werden. Die Trends auf dem Währungssektor der EU sind unterschiedlich und kompensieren sich gegenseitig.
Zusätzlich gibt es die USA mit ihren negativen statistischen Daten und der Notwendigkeit, den Leitzins zu erhöhen, die den Dollar in letzter Zeit zum Rückgang zwangen. Möglicherweise ist ein schwacher Dollar für nordamerikanische Exportunternehmen vorteilhaft, reduziert jedoch insgesamt die Investitionsanziehungskraft des Region. Dieser Faktor erhöht gerade die “Wertigkeit” des Euros gegenüber dem Dollar, was wir aktuell am Wechselkurs des Euros gegenüber dem Dollar beobachten: Nach jahrelangen Tiefständen hat der Euro einige seiner Positionen zurückerlangt.
Zurück zur allgemeinen Situation lässt sich sagen: Der Markt wird sich am stärksten auf griechische Ereignisse reagieren, wenn sich eine Gesamtsituation aus mehreren Faktoren ergibt – die FED muss ihre Position klären, Griechenland muss die Konzeption der Rückzahlung von Schulden oder des Austritts aus der Eurozone bestätigen. Andernfalls wird sich der Markt wieder auf größere makroökonomische Daten verlassen, einschließlich solcher aus dem Ausland.