ForTrader: Die Hauptthema des letzten G20-Gipfels war das politische Einwirken auf die Wechselkurse nationaler Währungen, was als „Währungskriege“ bezeichnet wurde. Obwohl viele Marktteilnehmer dies erwarteten, wurden gegen Japan, das eine aktive Abwertungspolitik der Yen verfolgt, keine Sanktionen verhängt. Wie bewerten Sie die Entscheidung, die in Moskau getroffen wurde? Wird sie eine „grüne Licht“ für japanische politische und monetäre Behörden bedeuten?

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G20: wohlwollende Entscheidung
A.K.: Am Ende der vergangenen Woche wählten Finanzminister und Vertreter der Zentralbanken der G20-Länder sorgfältig ihre Worte in ihrem Kommuniqué, um auf die dringendste Frage der Märkte zu antworten. Die Minister gaben den Märkten nach, die eine koordinierte Position der Länder hinsichtlich der jüngsten Entwicklungen am Forex-Währungsmarkt forderten. G7, später dann G20, taten dies, so gut sie konnten.
Der allgemeine Sinn der Kommentare ist: Man darf nicht offen die Abwertung der eigenen Währung fördern. Man darf auch keine geldpolitische Strategie verfolgen, deren einziger Zweck die Abwertung der Währung ist. Dennoch, wenn ein Land stimulierende Maßnahmen ergreift und dadurch Geld überschuss entsteht, was zu einem Kursverfall führt, versprechen führende Länder, nichts Verwerfliches darin zu sehen.
Leider ist dies nicht, weil sie so großzügig sind. Es ist viel einfacher: einen eigenen Exportwachstum zu erreichen, Arbeitsplätze für eigene Bürger zu schaffen und Steuereinnahmen in die Staatskasse zu bringen – all dies sind Ziele, die alle Länder verfolgen, um protektionistische Politiken durchzusetzen.
Und wer sind die Richter?
Viele glaubten, dass Japan wegen seiner einseitigen Politik zur Abwertung der Yen, durch den Kauf von Aktiva durch die Zentralbank, beschuldigt werden würde. Doch wieder stellt sich die klassische Frage: „Und wer sind die Richter?“ USA? Großbritannien? Einer der europäischen Länder? Die Bilanzen der Zentralbanken dieser Länder und Regionen sind seit dem Finanzkrise um ein Vielfaches gestiegen.
Doch die USA haben keine Hemmungen, Aktiva zu kaufen, selbst aufgrund einer sinkenden Arbeitslosenquote und eines wachsenden Wirtschafts. Aber die USA können in nichts beschuldigt werden. Ohne diese Marktunterstützung wären die Preise deutlich niedriger, das Stimmungsbild der Investoren deutlich schlechter und der Dollar deutlich teurer.
Die Mitglieder des Geldpolitischen Ausschusses (MPC) des Bank of England sind nicht sehr bescheiden und erklären öffentlich die Nachteile eines teuren Pfunds und ihr Verlangen, es deutlich billiger zu sehen. Sie sehen nichts Schlechtes darin, von ihrem Mandat zur Aufrechterhaltung der Preisstabilität abzuweichen. In dem jüngsten Inflationsbericht des Bank of England wird erwähnt, dass die Inflation in mittelfristiger Perspektive (also zwei bis drei Jahre) über dem Zielwert bleiben könnte. Hinweis: Diese Bewertung wurde unter Beibehaltung der aktuellen Größe des QE-Programms vorgenommen. Im Februar stimmten bereits drei Mitglieder des MPC, einschließlich des Vorsitzenden, für eine Erweiterung dieses Programms.
Frankreich stellte vor ein paar Wochen eine unerwartete Idee vor: die Fixierung des Euro-Kurses, um seine Schwankungen innerhalb bestimmter Grenzen zu halten. Offensichtlich geht es dabei um den Wunsch, sich vor der Marktvolatilität zu schützen. Allerdings wurde dieses Angebot innerhalb Europas negativ wahrgenommen, da es für den Kontinent momentan vorteilhaft ist, einen niedrigeren Kurs zu haben, der den Export ankurbelt.
In meiner Ansicht erhält Europa den größten Exportanstieg durch die Schwäche des Euros, und umgekehrt. Dies liegt an der ausgewogenen Wirtschaftsstruktur in diesem Bereich. Export und Import sind fast gleich, im Gegensatz zu den USA und Großbritannien, wo chronische Handelsdefizite bestehen: In den letzten vier Jahren lag der Export im Durchschnitt um ein Viertel unter dem Import in beiden Ländern.
Im Licht all dessen, was die Zentralbanken tun, wagt noch jemand, Japan zu beschuldigen? Dieses Land ist in den letzten zwei Jahren aus einem klaren Exporteur zu einem reinen Importeur geworden, und ehemals blühende Unternehmen gerieten an die Schwelle des Insolvenzverfahrens. Welches entwickelte Land kann die japanischen Politiker beschuldigen, unfair zu spielen? Ich denke, sie werden eine gerechte Antwort hören, dass es nicht um Spielregeln oder Währungskrieg geht, sondern um das Überleben.
Dennoch, obwohl die Japaner keine Rüge für ihre Handlungen erhielten, handeln sie nun vorsichtiger. Die Politiker lehnen öffentlich die Käufe ausländischer Anleihen ab, was eine offensichtlichere Abwertungspolitik wäre als die aktuellen Drohungen, in einem Jahr die Quantitative Easing-Erweiterung vorzunehmen.





