Dieser Artikel stellt einige einfache Kursmuster des Price-Action-Konzepts vor. Natürlich gibt es weit mehr Muster, als sich in einem einzelnen Artikel behandeln lassen. Bevor wir auf die Muster eingehen, sollten wir jedoch zunächst die Grundbegriffe klären.
Muster – ein englisches Wort, dessen Bedeutung im Deutschen mit „Muster“, „System“, „Struktur“, „Prinzip“ oder „Modell“ wiedergegeben wird.
Da der Begriff in verschiedenen westlichen Disziplinen verwendet wird, hat er sich auch im deutschen Finanzjargon als Fachterminus etabliert. Man kann daher sagen: Price Action bedeutet der Handel anhand von Mustern.
Muster lassen sich grob in einfache und komplexe einteilen:
- Einfache Muster bestehen aus 1–3 Kerzen.
- Komplexe Muster bestehen aus vier oder mehr Kerzen.
- Pin-Bar.
Pin-Bar: Beschreibung und Handelsstrategien
Das erste und bekannteste Muster der Price-Action-Methode ist der Pin-Bar. Er wird auch als „Pinocchio“ oder „Lunte“ bezeichnet. „Pin-Bar“ ist tatsächlich eine Kurzform von „Pinocchio“. In der klassischen japanischen Kerzenanalyse ist dieses Muster als „Shooting Star“ bekannt.

Eine dreikandelige Kerzenformation, bei der die mittlere Kerze einen sehr kleinen Körper (Abstand zwischen Schluss- und Eröffnungskurs) aufweist. Dieser Körper muss sich im unteren Drittel der Kerze (bei einem Abwärtstrend) oder im oberen Drittel (bei einem Aufwärtstrend) befinden.
Die Kerzen links und rechts der mittleren Kerze bezeichnet man als „Augen“. Das rechte Auge muss größer sein als das linke.
Konservativer Einstieg: Der Einstieg erfolgt beim Durchbruch des Minimums (bei Abwärtstrend) oder des Maximums (bei Aufwärtstrend) des rechten Auges. Der Stop-Loss wird an der Spitze der mittleren Kerze platziert. Der Ausbruch muss spätestens bei der zweiten oder dritten Kerze nach der mittleren Kerze erfolgen; andernfalls wird die Order storniert. Dieses Muster weist einen deutlich gegen den Trend gerichteten Charakter auf. Unten finden Sie Beispiele sowohl für den Aufwärts- als auch für den Abwärtstrend.

Zwei weitere, riskantere Einstiegsvarianten stellen wir nun vor.
a) Ohne Abwarten der Bildung des rechten Auges wird die Order unmittelbar nach Entstehung der „Nase“ auf Höhe des Minimums platziert, ergänzt um einen Filter (5–10 Pips). Der Stop-Loss wird am Hoch der Nase positioniert (siehe Abb. 3, linke Seite).

b) Ebenso ohne Abwarten des rechten Auges wird die Einstiegsorder auf Höhe von 50 % der Länge der „Nase“ platziert – mit der Annahme, dass der Preis beim Bilden des rechten Auges unsere Order auslöst. Der Stop-Loss wird am Tief (bzw. Hoch bei Aufwärtstrend) der Nase gesetzt (siehe Abb. 3, rechte Seite).
Für den Einsatz des „Pin-Bar“ als Einstiegssignal gelten bestimmte Regeln:
- Bei einem Abwärtstrend nutzen wir das Signal eines „Pin-Bar“, der an einem Swing-High (also am Höchstpunkt des Marktes) entsteht.
- Bei einem Aufwärtstrend nutzen wir das Signal eines „Pin-Bar“, der an einem Swing-Low (also am Tiefpunkt des Marktes) entsteht.
- Bei einem Aufwärtstrend ignorieren wir Signale eines „Pin-Bar“, der an einem Swing-High (am Höchstpunkt) entsteht.
- Bei einem Abwärtstrend ignorieren wir Signale eines „Pin-Bar“, der an einem Swing-Low (am Tiefpunkt) entsteht.
Beispiele verschiedener Situationen mit „Pin-Bar“


Die oben gezeigten Beispiele illustrieren die sichersten Anwendungsweisen des Price-Action-Musters „Pin-Bar“. Zu beachten ist, dass alle Beispiele im Kontext des Haupttrends gezeigt wurden. Es gibt jedoch auch Regeln für den Einsatz von „Pin-Bar“ gegen den Trend – denn wie bereits erwähnt, ist dieses Muster typischerweise stark konträr zum Trend: Erstens muss ein klarer Trend vorhanden sein; zweitens muss der gegen den Trend gerichtete „Pin-Bar“ an einem signifikanten Unterstützungs- oder Widerstandsniveau entstehen oder als Bestätigung einer sich bildenden Umkehrformation dienen.

Wie aus dem Beispiel ersichtlich ist, prallt der Kurs zunächst vom Niveau ab und versucht danach erneut, es zu durchbrechen. Nach einem zweiten gescheiterten Versuch bildet sich ein „Pin-Bar“, der hervorragende Voraussetzungen für einen Handelseinstieg schafft.
Und schließlich das letzte Beispiel: Der erste „Pin-Bar“ entsteht nicht nur an einem signifikanten Preisniveau, sondern bestätigt zudem die mögliche Bildung eines kleinen Doppelbodens innerhalb einer größeren Formation. Genau von diesem Pin-Bar ausgehend beginnt die Ausformation dieser technischen Umkehrmuster. Wie im Beispiel zu sehen, prallt der Kurs anschließend erneut vom Niveau ab und bildet einen weiteren Pin-Bar.

Zum Abschluss: Die Handhabung von „Pin-Bar“ ist eine wirkungsvolle Methode im Werkzeugkasten eines Traders – doch sie erfordert strikte Einhaltung der hier beschriebenen Regeln. Und natürlich ist die konsequente Anwendung von Kapitalmanagement und Risikomanagement unverzichtbar.